Stromspende per Starthilfekabel - wie geht das?

Warum gibt die Autobatterie ihren Geist auf?

Die Schwäche der Autobatterie hängt mit ihrer Funktionsweise zusammen. Je kälter die Temperaturen werden, desto weniger Energie hat sie in ihren mit Blei und Schwefelsäure gefüllten Zellen. Hinzu kommt: Kalte Motoren lassen sich nur schwer in Gang setzen, die "Passungen" in den Lagern sind auf normale Betriebstemperaturen ausgelegt. Ein Motor, dessen Schmieröl zwischen 90 und 115 Grad heiß ist, läuft rund wie ein Uhrwerk. Bei Minusgraden ist das Öl im Motorraum zäh wie Honig und auch das Getriebeöl klebt teerartig an den Zahnrädern.

Ergebnis: Wer die Maschine anwerfen, also zum Laufen bringen will, muss kräftiger drehen als gewöhnlich. Und genau deshalb wird auch noch mehr Strom verbraucht. Weitgehend unbekannt ist, dass leere, also entladene Autobatterien sogar einfrieren können. Eine entladene Batterie kann bereits bei 0 Grad C gefrieren.

Hersteller warnen: Niemals eine gefrorene oder aufgetaute Batterie aufladen, sie muss ersetzt werden. Beim Aufladen eines Akkus entsteht das gefährliche Knallgas. Es kann sich an einer Zigarette oder am Funken eines Kurzschlusses entzünden und zu einer Explosion der Batterie führen - dann würde Schwefelsäure verspritzt.

Und so funktioniert's:

Voraussetzungen

Starthilfe erfordert Beachtung einiger Sicherheitsregeln. Die lassen sich auch in den Betriebsanleitungen der Autofirmen nachlesen, wenngleich sie unterschiedlich klar formuliert sind.

Deshalb hier die wichtigsten Tipps:

  • Nur zugelassene und nach DIN geprüfte Kabel verwenden (z.B. DIN 72553)
  • Die Polzangen müssen allseits gut isoliert sein, die Zangen selbst sollten aus Kupfer sein.
  • Die Akkus an beiden Fahrzeugen müssen zugänglich sein, die Batterieabdeckungen sind zu entfernen, ebenso Polschutzkappen. Sie müssen die gleiche Spannung (z.B. 12 Volt) haben und in etwa die gleiche Kapazität (Amperestunden Ah) haben.
  • Autos stellt man so zu einander, dass sie sich nicht berühren und der Abstand von Akku zu Akku kürzer ist als die Länge der Kabel, die nicht in den Motorraum hineinhängen dürfen.
  • Beide Motoren müssen vor der Stromspende abgestellt sein.
  • Wer sich über den Motor beugt, sollte weder lange lose Ärmel noch eine Krawatte tragen - drehende Teile könnten diese erfassen.
  • Einige Hersteller empfehlen das Tragen eines Augenschutzes (Schutzbrille).
  • Auch bei der Starthilfe entsteht hochexplosives Knallgas. Immer Feuer, Funken, offene Flammen und glimmende Zigaretten von der Fahrzeugbatterie fernhalten. Niemals ein Handy benutzen, während die Starthilfekabel an- oder abgeklemmt werden.
  • Niemals Plus-und Minuspol verwechseln. Der Pluspol ist dicker als der Minuspol.

Richtig verkabeln

Sechs von zehn Neuwagen werden heute mit Start-Stopp-Systemen gekauft. Kaum jemand weiß jedoch, dass bei der Stromspende an diesen Autos die Minuspole der Akkus nicht per Kabel überbrückt werden dürfen. Stattdessen klemmt man das schwarze Kabel jeweils an Masse, beispielsweise an einen Flansch am Motorgehäuse, jedoch niemals an ein stromführendes Kabel oder an eine Brems- oder Kraftstoffleitung.

Die Verbindung von Pol zu Pol ist nur dem roten Kabel gestattet, also von Plus zu Plus. Bei Autos ohne Start-Stopp-Systeme darf das schwarze Kabel nur an der Spenderbatterie mit dem Minuspol verbunden werden. Am Auto mit der leeren Batterie wird die Polzange am Motorblock oder an einem damit fest verschraubten Metallteil festgemacht.

Die entladene Batterie muss natürlich ordnungsgemäß mit dem Bordnetz verbunden sein.

Reihenfolge beachten

Der Ablauf der Stromspende erfolgt nach einer bestimmten, für die Sicherheit wichtigen Logik, damit nicht ein stromführendes Kabel versehentlich mit Minus in Berührung kommen und einen Kurzschluss erzeugen kann:

  • An beiden Autos die Zündung ausschalten. Ebenso alle Verbraucher (Innenbeleuchtung, Parklicht, Radio, Sitz-und Scheibenheizung, Telefon usw.) ausschalten.
  • Zuerst wird das rote Kabel am Pluspol der leeren Batterie fixiert und dann zur Spenderbatterie geführt und dort ebenfalls am Pluspol befestigt.
  • Bei Autos ohne Start-Stopp-System wird nun die schwarze Polzange an den Minuspol der Spenderbatterie und das andere Ende des schwarzen Kabels im leeren Auto an Masse geklemmt.
  • Bei Autos mit Start-Stopp-Systemen erfolgt die schwarze Verbindung analog vom Spender zum Empfänger aber nur von Masse zu Masse.
  • Erst danach wird der Motor des Spenderautos im Leerlauf gestartet.
  • Dann wird der Anlasser des leeren Autos gestartet. Springt der Motor nach zehn Sekunden nicht an, Startvorgang abbrechen und etwa eine Minute warten. Dann erneut starten.
  • Wenn der Motor läuft, diesen zwei bis drei Minuten laufen lassen, bis er "rund" und gleichmäßig arbeitet. Vorsicht in Garagen wegen der Auspuffgase!

Prüfzeichen sind wichtig

Bevor die Kabel abgeklemmt werden, muss das Abblendlicht (falls es eingeschaltet war) ausgeschaltet werden. Im Fahrzeug mit der entladenen Batterie muss nun das Heizgebläse und die Heizheckscheibe eingeschaltet werden. Das kann Spannungsspitzen beim Abklemmen abbauen.

Als letztes werden die Kabel bei laufenden Motoren genau in der umgekehrten Reihenfolge wie beim Anklemmen entfernt. Also:

  • Schwarzes Kabel am Empfänger abklemmen.
  • Schwarzes Kabel am Spenderauto abklemmen.
  • Rotes Kabel am Spenderauto abklemmen.
  • Rotes Kabel am Empfängerauto abklemmen.

Zum Schluss werden die Batterien wieder ordentlich verpackt, das Kabel aufgerollt und die Motorhauben geschlossen. Die Lichtmaschine des vorher leeren Autos kann nun so viel Strom erzeugen, dass die Batterie auch im Fahrbetrieb nach und nach aufgeladen wird. Für die nächsten Stunden sollte man aber auf Stromfresser wie Sitzheizung oder Heckscheibenheizung verzichten.