Wechsel zwischen Winter-/Sommerreifen

Gute Gründe für den Reifenwechsel

Grundsätzlich ist es sicherer, in der warmen Jahreszeit mit Sommerreifen zu fahren. Denn Winterreifen sind speziell für Schnee und Eis gemacht, Sommerreifen Spezialisten für warme Temperaturen. Um zu jeder Jahreszeit sicher unterwegs zu sein, ist es ratsam die Reifen den saisonalen Bedingungen anzupassen. Mit den falschen Reifen unterwegs zu sein, kann im Unglücksfall ziemlich gefährlich werden.

  • Das größte Risiko besteht bei trockenen Straßen: Der Bremsweg kann sich mit Winterreifen um einige Meter verlängern - das Unfallrisiko steigt dadurch.
  • Auch die Bodenhaftung (Grip) der Winterreifen wird schlechter, je wärmer es wird.
  • Bei beladenem Wagen - etwa mit Reisegepäck - leidet zudem die Fahrstabilität. Das merkt man vor allem in langen Kurven.
  • Winterreifen verbrauchen in der Regel mehr Sprit. Das macht das Fahren teurer.
  • Die Gummimischung ist unterschiedlich: Winterreifen sind weicher, damit sie auch bei kalten Temperaturen genug Bodenhaftung haben. Bei warmen Temperaturen erhöht sich deshalb der Abrieb - die Lebensdauer der Reifen sinkt.

Das richtige Profil ist entscheidend

Es dürfen bei winterlichen Verhältnissen nur solche Reifen gefahren werden, bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem auf Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. Winterreifen, Allwetter- bzw. Ganzjahresreifen, die typischerweise eine M+S-Kennzeichnung und/oder eine entsprechende Kennzeichnung mit dem Bergpiktogramm/Schneeflocke tragen, erfüllen diese Anforderung.

Grundsätzlich gilt die Ausrüstung für alle Räder, also nicht nur für die angetriebene Achse. Verstöße werden mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt im Verkehrszentralregister geahndet. Bei einer Behinderung des Verkehrs infolge falscher Bereifung bei winterlichen Wetterverhältnissen erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro, es bleibt aber bei einem Punkt.

Der Halter muss mithaften

Darüber hinaus kann ein Unfall mit Sommerreifen wegen grober Fahrlässigkeit zu einer erheblichen Kürzung der Leistung in der Kaskoversicherung führen und auch die Haftpflichtversicherung wird im Zweifel eine Mithaftung (bis zu 20 %) des Halters geltend machen, selbst wenn der Unfallgegner allein Schuld hatte.

Deutschland folgte damit ähnlichen gesetzlichen Vorschriften anderer europäischer Nationen; in Finnland, Österreich und der Slowakei sind Winterreifen schon länger Pflicht. Dieses Jahr gilt in Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Norwegen, Schweden, Rumänien, Slowenien und in der Tschechischen Republik eine „situative“ , also von bestimmten Kalenderdaten oder Straßenverhältnissen abhängige Winterreifenpflicht.

Bei uns gilt allgemein die populäre Empfehlung "von Oktober bis Ostern". Die gesetzlich normierte Mindesttiefe des Reifenprofils liegt bei 1,6 mm und ist damit untauglich. Autoclubs und Sicherheitsexperten fordern, Reifen mit weniger als 4 mm Profil (Mindesttiefe in Österreich) auszusondern.

Feine Lamellen greifen besser

Winterreifen unterscheiden sich von Sommerreifen durch das spezielle Profil. Feine Einschnitte (Lamellen) und eine kältebeständige Gummimischung, die den Reifen sozusagen weich hält, ermöglichen die vielfache Verzahnung des Reifens mit den unterschiedlichsten Arten von Schnee:

Die Reifentechniker unterscheiden zwischen Neuschnee, Pulverschnee, hartem kompakten Altschnee ebenso wie zwischen angetautem und wieder überfrorenem glatten Schnee sowie vom Streusalz angetauten feuchten oder nassen Schnee. Für all diese Fahrbahnzustände ein optimales Profil zu entwickeln ist eine gewaltige Herausforderung, die von vielen modernen Reifen gemeistert wird.

Neues Reifenlabel sagt wenig aus

Nur wenig Klarheit beim Thema Wintertauglichkeit bringt die seit 1. November 2012 geltende EU-Verordnung zur Reifenkennzeichnung. Zwei farbige Aufkleber informieren mit einfachen Piktogrammen und den Kategorien A (grün) bis G (rot) über den Rollwiderstand (und damit den Anteil des Reifens am Kraftstoffverbrauch), sowie über die Nasshaftung. Ein drittes Etikett signalisiert mit einem symbolisierten Lautsprecher und Schallwellen die Höhe des Abrollgeräusches, beispielsweise 72 dB. Ähnlich wie bei den Energielabels für Hausgeräte sollen Kunden auf einen Blick sehen, welche Vorteile die (nach dem 1. Juli 2012 produzierten) Reifen aufweisen - für ältere Reifen, die noch am Lager sind, gilt diese Vorschrift nicht.

Politessen drücken Auge zu

Wer sein Auto bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen parkt, wird nicht etwa von kontrollierenden Politessen angezeigt. Die achten höchstens auf die TÜV-Plakette. Denn es ist ja nur verboten, mit Sommerreifen zu fahren. Und, so ein ADAC-Jurist: "Wer Fahrten bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte zuverlässig vermeiden kann, darf auch weiterhin im Winter mit Sommerreifen fahren!" Dies hat besondere Bedeutung in traditionell winterarmen Regionen sowie für Besitzer von Zweitwagen oder Oldtimern - und natürlich für den, der gegebenenfalls auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen kann.

Physik bleibt dominierend

Selbst die besten Reifen und die feinste elektronische Abstimmung von Antrieb, Fahrwerk und Bremsen in den modernsten Autos können nicht verhindern, dass diese Bausteine der technisch installierten Verkehrssicherheit Grenzen haben. Die physikalischen Gesetze über Bewegung, Beschleunigung, Verzögerung und Massenkräfte lassen sich nicht austricksen.

Eine unverzichtbare Rolle auf winterlichen Straßen spielt deshalb der Mensch hinterm Steuer, seine Umsicht und nicht zuletzt auch seine Erfahrung.

Wann sind neue Reifen fällig?

Profil nicht tief genug

Je tiefer das Profil ist, desto besser ist die Fahreigenschaft des Reifens bei Nässe. Umgekehrt bedeutet das: Je niedriger das Profil, desto höher die Gefahr von Aquaplaning. Die EU schreibt eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern vor. Sicherer ist es aber, Reifen schon vorher auszutauschen:

Reifen zu alt

Reifen altern und werden damit unsicher, selbst wenn sie kaum gefahren werden. Der Grund: Mit den Jahren wird der Gummi hart und brüchig, Risse zeigen sich. Spätestens ab diesem Alter sollten Sie wechseln:

  • Sommerreifen über acht Jahre
  • Winterreifen über sechs Jahre
Wie alt ein Reifen ist, verrät der Code auf der Reifenflanke. Die letzten 4 Ziffern bezeichnen Kalenderwoche und Herstellungsjahr. Ein Reifen mit dem Code "DOT DM CI 09X 1306" wurde in der 13. Kalenderwoche im Jahr 2006 hergestellt.

Schäden am Reifen

Defekte am Gummi führen dazu, dass Feuchtigkeit eindringen kann und der Reifen-Unterbau zu rosten beginnt. Kontrollieren Sie darum die Reifen regelmäßig auf mögliche Schäden und tauschen Sie sie wenn nötig aus.

  • Risse auf den Außenseiten des Reifens deuten auf zu alten, porösen Gummi.
  • Beulen an der Reifenflanke entstehen, wenn das Innere des Reifens beschädigt ist.
  • Eingefahrene Fremdkörper (z.B. Nagel) lassen einen schlauchlosen Reifen Luft verlieren.

So halten Reifen länger

  • Bordsteine möglichst im rechten Winkel, nicht schräg, überfahren und beim Parken etwas Abstand zwischen Bordstein und Reifen lassen.
  • Nicht mit Vollgas losfahren! Kavalierstarts nutzen den Reifen ab.
  • Sommer- und Winterreifen trocken und ohne Sonneneinwirkung lagern.
  • Reifen mit Felgen liegend, Reifen ohne Felgen stehend lagern.
  • Kontakt der Reifen mit Öl, Benzin oder ähnlichen Substanzen vermeiden, damit der Gummi nicht angegriffen wird.
  • Hochdruckreiniger nicht direkt, sondern aus mindestens 20 Zentimetern Entfernung auf den Reifen richten.