Die diskreten Aufpasser: Assistenzsysteme im Auto

Man könnte sie Schutzengel nennen, aber sie heißen Fahrassistenzsysteme. Sie sammeln vom Start bis zum Ziel Tausende von Informationen, entlasten damit den Menschen am Lenkrad und können sogar Unfälle verhindern.

Geschichte der Assistenzsysteme

Angefangen hat die Entwicklung von Assistenzsystemen für unsere Autos mit dem Antiblockiersystem (ABS) 1978 in der Mercedes S-Klasse. Damit konnte man spurgetreu ein Hindernis umfahren. Heute gibt es mehr als ein Dutzend feinfühliger Assistenten, die einzeln oder in Kombination arbeiten und das Fahren sicherer machen. Je mehr davon gekauft werden, desto billiger werden sie in der Großserie. Nur dann können sie millionenfach wirken.

Wir erklären, wer was wie und warum kann

Abstandsregler (ACC)

Sehr angenehmer Helfer für Viel- und Langstreckenfahrer. Hält das programmierte Tempo konstant ein, reagiert auf wechselnde Verkehrsbedingungen mit Gaswegnehmen, Bremsen oder Beschleunigen. Kann im Stopp-und-Go-Verkehr oder im Stau das Auto zum Stillstand bremsen. Folgt automatisch dem Verkehr, wenn dieser wieder anrollt.

Anfahrassistent

Eine elektromechanische Parkbremse ersetzt die Handbremse. Beim Anfahren, auch am Berg, verhindert sie das ungewollte Zurückrollen des Autos.

Einparkassistent

Schon kleine Parkunfälle kosten heute schnell 1000 Euro, also mehr als dieses nützliche System. Ultraschallsensoren tasten im langsamen Vorbeifahren parkende Autos ab und signalisieren auf dem Bildschirm eine ausreichend große Lücke. Sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist und die Hände vom Lenkrad genommen sind, rangiert sich das Auto eigenständig und sauber in die Lücke, auch beim Querparken.

Elektronische Stabilisierungskontrolle (ESC)

Verbessert die Fahrsicherheit in fahrdynamischen Grenzsituationen. Gesamtpaket aus ABS, Bremsassistent, ASR, EDS, Dynamiklenkung und Gespannstabilisierung (pendelnde Anhänger werden "ausgebremst").

Head-up Display

Noch Luxus, aber im Alltag sehr hilfreich: Ausgewählte Informationen aus der Navigation oder von den Assistenten werden über einen Spiegel auf die Frontscheibe im Sichtbereich des Fahrers projiziert und dadurch klarer, schneller und größer sichtbar als in den Bordinstrumenten. Außerdem wird der Blick nicht abgelenkt. Spezielle Frontscheiben sind notwendig. In der Oberklasse merkt sich das System sogar die Einstellungen der Sitzverstellung und speichert sie in dem Schlüssel, der dem Fahrer zugeordnet ist. Dann entfällt das mühsame Einstellen vor Beginn der Fahrt.

Lichtassistent

Viele Autofahrer nutzen das Fernlicht nur selten, weil sie andere nicht blenden wollen. Ein Lichtassistent schaltet es automatisch ein, wenn erforderlich und der Gegenverkehr damit nicht gestört wird. Tolle Lösung: Leuchtweite und Leuchtbreite werden gleitend angepasst. Meist verbunden mit dem Kurven- oder Abbiegelicht: Das dreht den Lichtkegel in Richtung Zentrum der zu fahrenden Kurve und entdeckt so Fußgänger oder Radfahrer.

Müdigkeitswarner

Eine dampfende Kaffeetasse als Symbol im Tacho soll vor Müdigkeit warnen. Doch warum weiß das Auto, dass der Fahrer müde scheint? Von Beginn der Fahrt an wird das Lenkverhalten analysiert. Kommt es nach einer bestimmten Zeit zu Änderungen, wie plötzlich ruckartigem Lenken, vergleicht das System diese Information mit Tageszeit, Blinkverhalten und Fahrtempo - und kalkuliert so einen "Müdigkeitsgrad" und schlägt Alarm.

Nachtsichtassistent

Eine Infrarotkamera kann 300 Meter voraussehen und ein Wärmebild erzeugen, das dann in ein Display eingespiegelt wird. Die hinterlegten Konturen von Fußgängern, Radfahrern oder Wildtieren werden verglichen und bei einer annähernden Deckung wird eine optische und akustische Warnung ausgelöst.

Notbremsassistent

Der Notbremsassistent erkennt vor dem Fahrer, wenn ein Auffahrunfall droht, warnt und verschafft Reaktionszeit. Er wurde entwickelt, weil Unfallforscher nachwiesen, dass jeder zweite Fahrer nicht stark genug bremste und deshalb aufgefahren war. Der Notbremsassi berechnet den notwendigen Bremsdruck. Wenn der Mensch nicht ausreichend stark bremst, erhöht das System den Pedaldruck. Der Assistent kann zwar nicht jeden Unfall verhindern, aber mildern. Sobald er erkennt, dass es nicht reicht, bremst er automatisch das Auto energisch, um die Aufprallenergie zu reduzieren und "alarmiert" die dann schneller wirkenden Sicherheitssysteme Gurt, Airbag und Kopfstützen. Idealer Helfer in der Stadt ab Tempo 30.

Reifendruckkontrolle

Die Sensoren für das ABS vergleichen den Abrollumfang der Räder und entdecken so Abweichungen von gespeicherten Sollwerten. Dann leuchtet ein Warnsymbol. Wichtig: Nach Belastungswechsel (von zwei auf vier Personen mit Gepäck und umgekehrt) Luftdruck korrigieren und System neu einstellen

Spurhalteassistent (active lane assist)

Unterstützt vor allem bei langen Autobahnfahrten die nachlassende Konzentration und hilft, in der Spur zu bleiben. Ist ab ca. 65 km/h wirksam bei Ablenkung oder einsetzender Müdigkeit. Er erkennt Fahrbahnmarkierungen: Sobald man sich denen nähert oder sie überfahren möchte, warnt er mit Rütteln am Lenkrad oder gar mit sanftem Gegenlenken. Praxistipp: Wenn der Spur-Assistent häufiger eingreift, unbedingt pausieren. Das System hat aber in der Praxis noch einige Schwachstellen: Es erkennt nicht alle Linien oder "stottert" bei Spurrillen. Die Kamera kann durch Gegenlicht oder Starkregen beeinträchtigt werden. Das Sytem darf bei Nebel und Aquaplaninggefahr nicht eingeschaltet werden.

Spurwechselassistent (side assist)

Der gefürchtete "tote Winkel" seitlich neben oder hinter dem eigenen Fahrzeug ist eine gefährliche Falle, nicht nur für überholende Motorradfahrer. Auch Autos können wegen der fehlenden Rundumsicht nach hinten beim Spurwechsel übersehen werden. Aus solchen Gründen und daraus entstehenden Notbremsungen kommt es oft unbemerkt zu schweren Folgeunfällen. Dieses System blickt komplett nach hinten, überwacht also den Bereich neben und hinter dem Auto. Sobald der Blinker gesetzt wird, warnen grelle Leuchten im Außenspiegel, dass sich ein anderes Fahrzeug im geplanten Weg nähert. Manche Systeme warnen auchschon, bevor man den Blinker einschaltet mit kleineren Leuchten. Dieser Assistent sollte in keinem Auto fehlen, denn er wirkt auf der Autobahn und im Stadtverkehr und schützt den schwächeren Verkehrsteilnehmer vor vermeidbaren Kollisionen.

Verkehrszeichenerkennung (sign assist, Tempolimitanzeige)

Ein feiner Assistent, der mit der Frontkamera die realen Verkehrsschilder "sieht" und standardisierte Begrenzungen erfassen und abbilden kann, beispielsweise im Kombiinstrument oder auf einem separaten Display. Dieses System liest auch Zusatzschilder (z.B. "bei Nässe") und erkennt die Schrägbalken des Ende-Schildes. Es erkennt am Ortseingang anhand des gelben Schildes Tempo 50 und beendet am Ortsende das 50 km/h Signal. Die Verkehrszeichenerkennung ist noch nicht ganz vollkommen: Es gibt Schwächen bei Schneefall, Schmutz oder starkem Regen, das System erfasst auch nicht alle (gepulsten) Zeichen von Verkehrssteuerungsanlagen, hilft aber zur korrekten Fahrweise. Arbeitet mit dem bordeigenen Navisystem zusammen.