Verkehrsstrafen im Ausland

Strafen für Verkehrsverstöße in Europa

Europaweit sind sich die Verkehrspolitiker weitgehend einig: Verkehrsregeln müssen nicht nur angeglichen, sondern auch besser überwacht werden. Wer dagegen verstößt, muss von Land zu Land mit oft unterschiedlichen Sanktionen rechnen. Schon geringe Verstöße auf ausländischen Straßen führen zu hohen Geldbußen. Es gilt immer ausländisches Recht. Damit solche Bußgelder auch über nationale Grenzen durchgesetzt werden, wurde seit Oktober 2010 die EU-weite Vollstreckungshilfe immer mehr ausgebaut.

Internationale Rechtshilfe

Grundlage ist das Gesetz über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRG). Nach dessen § 87 werden in anderen EU-Staaten rechtskräftig von Gerichten oder Verwaltungsbehörden verhängte und strafgerichtlich überprüfbare Geldsanktionen (also Bußgelder, Geldstrafen und Verfahrenskosten) vollstreckt. Zuständig ist bei uns das Bundesamt für Justiz (BfJ) in Bonn, zunächst zur Prüfung und danach zur Vollstreckung.

Nachdem von 28 EU-Mitgliedsstaaten außer Irland, Italien, Griechenland und Kroatien den EU-Rahmenbeschluss (RBGeld) zur Vollstreckung umgesetzt haben, darunter auch alle deutschen Nachbarländer, werden Sanktionen ab 70 Euro vollstreckt. Da die Verwaltungskosten eingerechnet werden, kann schon ein geringerer Bußgeldbescheid vollstreckbar sein. Der Erlös der Vollstreckung bleibt übrigens in Deutschland.

Welche Regeln gelten vor Ort?

Welche Regeln vor Ort gelten, erfahren Reisende oft an Informationstafeln direkt hinter der Landesgrenze. Aber es gibt noch etliche spezifische Vorschriften. Die wichtigsten haben wir nach Ländern geordnet hier aktualisiert. Dennoch empfiehlt sich vor allem bei Reisen in fernere Länder vorher ein Blick auf deren Webseitenangebote, denn erfahrungsgemäß werden Regeln auch kurz vor der Urlaubszeit geändert.

Die häufigsten Verkehrssünden und deren Strafen in:

Belgien

Im Vergleich zu Resteuropa, sind belgische Strafen oft moderat. Für 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit, gibt es mindestens 100 Euro Strafe - jedoch steigen sie danach nicht so drastisch an. 50 km/h zu schnell kosten ab 300 Euro, ein Überholvergehen oder ein Rotlichtverstoß mindestens 150 Euro. Halt- und Parkverstöße kosten ab 50 Euro.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Dänemark

Wer 20 km/h zu schnell fährt, muss mit mindestens 135 Euro Strafe rechnen, im schlimmsten Fall gar mit 270 Euro. Liegt man mehr als 50 km/h über dem erlaubten Limit, werden mindestens 335 Euro fällig. Fährt man alkoholisiert Auto, kann das Bußgeld bis zu einem Monatsverdienst betragen, auch Haft ist möglich.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Frankreich

Frankreich reagiert heftig gegen Schnellfahrer. Schon ab 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit, wird man mit 135 Euro zur Kasse gebeten. Bezahlt man nicht sofort, wird das Bußgeld sogar schrittweise höher. Richtig teuer wird es, wenn das Limit um mehr als 50 km/h überschritten worden ist, was auf Autobahnen (Maximum 130 km/h) schon mal vorkommen kann. Das kostet 1.500 Euro.

Für Alkohol am Steuer muss man mindestens 135 Euro bezahlen. (0,5-0,8‰) Über 0,8 Promille = 4.500 Euro + 2 Jahre Haft.
Das Abschleppen von Fahrzeugen mit Privatwagen ist verboten. Mehr als 0,5 Promille kosten in Frankreich 750 Euro. Der Reservekanister darf maximal 10 Liter fassen.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Großbritannien

In Großbritannien haben Verkehrssünder nichts zu lachen. Die höchste Strafe für Alkohol am Steuer kann 5.715 Euro betragen. Die Grenze für den Blutalkoholspiegel liegt auf der Insel bei 0,8 Promille. Für 20 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit, gibt es zwar lediglich 70 Euro Bußgeld. Fährt man mehr als 50 km/h zu schnell, ist die Maximalgrenze jedoch bei 2.860 Euro festgelegt.

Vorgeschrieben sind Klebestreifen für das Abblendlicht links gelenkter Autos, damit deren Scheinwerfer den Gegenverkehr nicht blenden. Auf Fährschiffen ist ein Reservekanister verboten.

Die Promillegrenze liegt bei 0,8 ‰.

Irland

Die Promillegrenze liegt bei 0,8 Promille und die Strafe für Alkohol am Steuer ist hoch: Mindestens 200 Euro muss der Sünder auf den Tisch legen.

Die restlichen Strafen, zum Beispiel für zu schnelles Fahren, sind im internationalen Vergleich niedrig. Mindestens 80 Euro muss der Raser von 20 bis 50 km/h über dem Limit bezahlen. Falsches Überholen kostet 80 Euro.

Vorgeschrieben sind Klebestreifen für das Abblendlicht links gelenkter Autos, damit deren Scheinwerfer den Gegenverkehr nicht blenden. Auf Fährschiffen ist ein Reservekanister verboten.

Die Promillegrenze liegt bei 0,8 ‰.

Italien

In Italien wird Rasern tief in die Tasche gegriffen. Für 20 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit müssen mindestens 170 Euro bezahlt werden, bei 50 km/h darüber kostet es ab 530 Euro. Nächtliches Schnellfahren (ab 22 Uhr) kostet ein Drittel mehr. In Italien kann eine Kaution verlangt werden, wenn nicht sofort bezahlt wird, auch kann das Fahrzeug beschlagnahmt werden. Droht wegen des Verstoßes ein Fahrverbot, kann die Polizei auch den Führerschein einziehen! Dann darf man nur noch bis zur Grenze oder zum Urlaubsort fahren.

Überdurchschnittlich teuer ist hier das Telefonieren mit dem Handy am Steuer. Satte 155 Euro werden mindestens fällig. Eine rot/weiße Warntafel ist Vorschrift bei überstehender Ladung, eine Warnweste muss an Bord sein und der Reservekanister darf maximal 10 Liter fassen.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Kroatien

In Kroatien wird es am teuersten, wenn man deutlich zu schnell fährt oder eine rote Ampel missachtet. Mit mehr als 50 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit, muss man mindestens 660 Euro zahlen. Fährt man über eine rote Ampel, kostet es 260 Euro. Für geringere Geschwindigkeitsüberschreitungen im Bereich von 20 km/h bezahlt man maximal 70 Euro. Vorgeschrieben sind Warnweste und Ersatzglühlampen, verboten ist ein Reservekanister.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Luxemburg

Falschparken kostet zwischen 24 und 74 Euro, Temposünden können zwischen 50 und 145 Euro nach sich ziehen. Kann oder will der Fahrer nicht sofort zahlen, ist eine Kaution in doppelter Höhe oder auch eine Beschlagnahme möglich. Wer mehr als 40 km/h über dem Limit fuhr, muss damit rechnen, dass der Führerschein sofort einbehalten wird.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Niederlande

In den Niederlanden werden Raser hart bestraft. Für 20 km/h über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, müssen mindestens 160 Euro bezahlt werden. Ist man 50 km/h zu schnell, wird man mit 500 Euro zur Kasse gebeten. Überhol- und Rotlichtverstöße sowie das Telefonieren am Steuer werden mit je 220 Euro sanktioniert.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Norwegen

670 Euro kostet ein Alkoholverstoß, eine Temposünde von 20 km/h schon 480 Euro, bei mehr als 50 km/h sind 1500 Euro fällig. Telefonieren am Steuer 165 Euro.

Die Promillegrenze liegt bei 0,2 ‰.

Österreich

Am härtesten trifft es in Österreich die Raser: Wer um mehr als 50 km/h überzieht, muss mit mindestens 150 Euro und bis 2180 Euro rechnen. Bei 20 km/h gibt es jedoch eine moderate Strafe von 20 Euro. Kritisch ist auch Parken auf Privatgrundstücken deren Besitzer können wegen Besitzstörung klagen, was zu Kosten von bis zu 700 Euro führen kann.

Alkoholsünder müssen in Österreich mit mindestens 300 Euro rechnen. Die Höchststrafe für Alkohol wurde von den österreichischen Behörden bei 5600 Euro festgelegt. Diese gilt für einen Blutalkoholspiegel von mehr als 1,6 Promille. Vorgeschrieben sind Warnweste und ein kleiner Verbandskasten für Motorradfahrer, der Reservekanister ist auf 10 Liter beschränkt.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Polen

In Polen liegt die gesetzliche Grenze für den Blutalkoholspiegel bei 0,2 Promille. Die Bußgelder sind hier im internationalen Vergleich eher niedrig. Raser werden mit mindestens zehn (bis 20 km/h über Vorschrift) beziehungsweise 100 Euro (50 km/h über Vorschrift) bestraft. Alkohol am Steuer kostet ab 145 Euro und Überhol- und Rotlichtverstöße werden mit mindestens 60 Euro geahndet. Der Reservekanister darf maximal 20 Liter fassen, deutsche Pkw dürfen keinen Feuerlöscher mitführen. Ausländer werden meist vor Ort abkassiert.

Die Promillegrenze liegt bei 0,2 ‰.

Schweden

Auch in Schweden liegt die Promillegrenze bei 0,2. Die Strafen sind hier jedoch deutlich höher als etwa in Polen. Sie beginnen bei 40 Tagessätzen, also etwa anderthalb Gehältern.

Raser werden bei 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit mit mindestens 290 Euro bestraft, bei 50 km/h darüber sind es sogar mindestens 480 Euro. Gurtsünder zahlen 180 Euro. Das Telefonieren mit dem Handy am Steuer wird im verkehrsarmen und weitläufigen Schweden toleriert.

Die Promillegrenze liegt bei 0,2 ‰.

Schweiz

Geradezu dramatisch hoch geahndet werden selbst geringfügige Überschreitungen des Tempos, schon 20 km/h kostet ab 145 Euro. Von Kanton zu Kanton können Tempolimits auf Autobahnen unterschiedlich hoch bestraft werden, kosten aber mindestens 325 Euro, in Einzelfällen wurden schon mehrere tausend Euro festgesetzt. Die Regel sind mindestens 60 Tagessätze! Die Polizei kann Kautionen in Geld oder Wertsachen verlangen.

Vierrädrige Fahrzeuge und Motorräder müssen seit 1. Januar 2014 mit Licht am Tag fahren, Oldtimer (Erstzulassung vor dem 1.1.1970) sind davon befreit. Verstöße kosten etwa 31 Euro. In Tunnels, bei Dämmerung oder schlechter Witterung muss, wie bisher, Abblendlicht eingeschaltet werden. Die Tagfahrlichtvorschrift gilt auch in Italien, Kroatien, Slowenien, Ungarn und in Skandinavien. Österreich hat sie 2008 wieder aufgehoben.

Streng bestraft mit 325 Euro werden Radarwarner, auch Handys und Navis mit solchen Apps. (Beschlagnahmung droht) Gefährlich ist auch das Wenden auf innerörtlichen Straßen bei durchgezogener Mittellinie das kann 700 Euro kosten.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Spanien

Auch in Spanien trifft es die Schnellfahrer am härtesten. Mindestens 100 Euro kostet die Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h, ist er 50 km/h über der Höchstgrenze, muss der Raser mindestens 600 Euro bezahlen. Ebenfalls relativ teuer ist die Strafe für Alkohol am Steuer mit mindestens 500 Euro. 200 Euro betragen die Strafen für Überhol- und Rotlichtverstöße sowie Falschparken. Die Warnweste ist vorgeschrieben, der Reservekanister darf maximal 10 Liter fassen, bei überstehender Ladung braucht man eine rot-weiße Warntafel.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Tschechien

Entsprechend scharf sind auch die Sanktionen bei einem Verstoß: Unter 900 Euro Strafe kommt man nicht davon. Aber auch die restlichen Bußgelder liegen auf einem relativ hohen Niveau: Überhol- und Rotlichtverstöße sowie Falschparken kosten ab 60 Euro. Vorgeschrieben: Warnweste, Reservekanister maximal 10 Liter.

Tschechien hat die 0,0 ‰ Promillegrenze.

Türkei

Die Strafen in der Türkei sind relativ gering. Die Bußgelder für sämtliche Überholverstöße, die Missachtung einer roten Ampel sowie alle Geschwindigkeitsüberschreitungen fangen bei 60 Euro an. Alkoholsünder werden mit mindestens 250 Euro zur Kasse gebeten. Das Telefonieren am Steuer wird ab 30 Euro bestraft. Vorgeschrieben sind die grüne Versicherungskarte, ein zweites Warndreieck, der Reservekanister darf maximal 25 Liter fassen und ein Feuerlöscher muss an Bord sein.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 ‰.

Ungarn

Da absolutes Alkoholverbot angesagt ist, kann ein Verstoß bis 980 Euro kosten. Rotlicht- und Überholsünden kosten bis 330 Euro, Temposünden (20 km/h= 100 Euro) reichen bis 200 Euro. Parksünden können bis 165 Euro kosten.

Die Promillegrenze liegt bei 0,0 ‰.

Stand: Januar 2014