Elektromotorräder: eine Alternative?

Energiewunder mit kleiner Schwäche

Kein dröhnendes Motorenbrummen, keine knallenden Fehlzündungen: Wie Sie hören, hören Sie (so gut wie) nichts. Das leise Rollen der Reifen auf dem Asphalt, das Surren des Elektromotors und das Rauschen des Fahrtwindes – mehr Geräusche sind nicht wahrzunehmen, wenn Sie mit einem Elektromotorrad auf den Straßen unterwegs sind. Elektromotorräder überzeugen durch ihre Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz und stellen in dieser Hinsicht ihre Kollegen mit Verbrennungsmotoren in den Schatten.

Trotz dieser guten Eigenschaften sind E-Motorräder und E-Roller immer noch sehr selten auf unseren Straßen anzutreffen. Sie haben eine kleine, jedoch nicht unerhebliche Schwäche: Ihre Reichweite liegt deutlich unter der von klassischen Motorrädern. Das genügt für kurze Fahrten, ausgedehnte Roadtrips sind jedoch nur mit längeren Pausen zum Aufladen der Batterie möglich.

Erfahren Sie hier mehr über die Vor- und Nachteile der flüsterleisen Krafträder!

(Noch) Nachteilig für Langstreckenfahrer

Auf den ersten Blick scheint ein wendiger Elektroroller die perfekte Lösung für emissionsfreie Kurztrips zu sein. Pike Research rechnet mit weltweit 138 Millionen verkaufen Elektromotorrädern und Mofas bis 2017.

Der relativ hohe Anschaffungspreis lässt viele Kaufinteressenten zögern, denn wer glücklicher Besitzer eines Elektromotorrads werden will, muss tief in die Tasche greifen: mit 10.000 Euro aufwärts muss man als potentieller Käufer rechnen. Allerdings gibt es auf Lange Sicht bei der Betankung mit Strom statt Kraftstoff wieder erhebliches Einsparpotential, sodass man für sich persönlich abwägen muss, ob sich die Anschaffung lohnt.

Dazu gilt es zu beachten, dass die Freude am leisen und umweltfreundlichen Fahren und dem Aufsuchen einer Ladestation kürzer währt als man das vielleicht vom klassischen Motorrad kennt. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, die Reichweite der E-Motorräder immer weiter zu steigern - und das mit Erfolg: Waren am Anfang nur 50 bis 100 Kilometer mit einer Aufladung möglich, kommen die neueren Modelle heute schon auf knapp 300 Kilometer. Das kann sich sehen lassen!

Die Reichweite ist immer nur als Richtwert zu verstehen und anhängig von vielen Faktoren. Das Motorradmodel, der Fahrer und dessen Fahrstil sowie die Beschaffenheit der Strecke und die Witterungsbedingungen beeinflussen in Summe die tatsächliche Distanz, die mit dem E-Motorrad zurückgelegt werden kann.

Doch auch die längste Reichweite ist irgendwann erschöpft und es heißt auftanken. Dazu muss keine klassische Tankstelle aufgesucht werden, sondern eine Ladestation oder einfach die heimische Steckdose. Es dauert ungefähr acht bis zehn Stunden, bis die Lithium-Ionen-Batterie wieder voll aufgeladen ist.

Langfristig überwiegen die Vorteile

In China sind Elektromotorräder bereits voll im Trend und allgegenwärtig – aber auch hierzulande gibt es für das Elektromotorrad rosige Zukunftsaussichten. Nur eine Handvoll Hersteller produzieren derzeit auf dem europäischen Markt zulassungsfähige Elektromotorräder, doch Start-up-Unternehmen und Elektrospezialisten tüfteln fleißig an der Weiterentwicklung der leisen Flitzer.

Immer mehr klassische Motorradproduzenten und Automobilhersteller steigen in die Sparte ein und entwickeln Elektromotorräder. Experten schätzen, dass der Markt in den nächsten 10 Jahren jährlich um 30% wachsen wird. Bis zum Jahr 2024 sollen weltweit 55 Millionen elektrische Motorräder und Roller verkauft sein. Solche ambitionierten Ziele feuern den Wettbewerb an, was sich langfristig positiv auf Preis und Vielfalt auswirken kann.

Elektromotorräder, genauso wie Elektroautos, werden mit großer Wahrscheinlichkeit eine zentrale Rolle in der Mobilität der Zukunft spielen und irgendwann nicht mehr wegzudenken sein. Sie sind nicht nur geräuscharm, sondern auch flott, umweltfreundlich und effizient. Die unmittelbare Verfügbarkeit des maximalen Drehmoments verspricht Fahrvergnügen und die geringen Energiekosten sind bereits jetzt kaum zu schlagen: Eine komplette Akkuladung bei einem Elektromotorrad kostet zwischen zwei und drei Euro. In Bezug auf die Entwicklung der Benzinpreise ein durchaus ernstzunehmendes Argument!