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Motorräder mit Frontantrieb

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Irrwege der mobilen Evolution – Motorrad mit Frontantrieb

Ein Motorrad mit Frontantrieb war in der Vergangenheit sehr beliebt. Heute sind die Fahrzeuge eher im Elektrobereich vertreten. Wir erklären Ihnen die Hintergründe der interessanten Motorräder.

02.08.2021 | R+V24 Team

Was verbinden Sie mit Frongraich? Es ist nicht schlimm, wenn Ihnen zunächst nichts einfällt. Oder denken Sie an Baguette, Eiffelturm, Haute Couture, die Ente Gauloises? Dann sind Sie nicht weit entfernt. Das passt schon, dazu gehört aber auch das „Velosolox“ aus Paris – ein Motorrad mit Vorderradantrieb aus der französischen Hauptstadt. In diesem Ratgeber erzählen wir Ihnen mehr über die spannende Geschichte hinter dem Motorrad mit Frontantrieb.

Velosolex

Ein Frontantrieb an einem Motorrad? Geht das?

Die Antwort lautet: Ja, das geht. Genannt wird das Modell Velosolex, ein stabiles Damenfahrrad mit einem kleinen Motor (bis 49 ccm) über dem Vorderrad. Mit einem kleinen Hebel kann der gesamte Antrieb abgesenkt werden, eine Reibrolle treibt dann das Vorderrad an. Mit einem leichten Zug am Hebel wird ausgekuppelt, der Motor läuft dann im Leerlauf weiter. Eine simple und geniale Idee, denn die Velosolex war leise, flott, gleichermaßen durch Landpfarrer und Großstadbohème genutzt und geliebt. Bei Regen gab es leichte Traktionsschwächen, aber meist kam man mit dem Motorrad mit Frontantrieb vorwärts.

Gebaut wurde das Frontantrieb-Motorrad Velosolex von 1946 bis 1988. Wer sie mal gefahren hat, kann süchtig werden. Noch heute hat sie eine treue Fangemeinde, die das einfache und robuste Gefährt hochschätzt.

Rex

Ein Motorrad mit Vorderradantrieb war äußerst beliebt

In anderen Ländern gab es ähnliche, jedoch nicht so dauerhaft erfolgreiche Konstruktionen eines Motorrads mit Frontantrieb. Im armen Nachkriegs-Deutschland waren beispielsweise die/der „Flink“ der Motorenwerke Varel und als bekannteste Konstruktion der „Rex“ mit Keilriemenantrieb auf dem Vorderrad im Angebot.

Bei der Velosolex gibt es im Grunde die beiden Modi Vortrieb oder Ausrollen. Bei dem mit bis weit über 1,0 PS (es wird von Werten bis 1,5 PS gemunkelt) bis zu dreimal so starken Motoren des Rex kann man echte Beschleunigung erleben. Technisch sehr interessant sind Motorräder mit Frontantrieb in Form von Nabenmotoren. Diese saßen im Vorderrad. In Nachkriegs-Deutschland war der Nordap wohl der bekannteste Vertreter.

Cyclotracteur (http://www.motohistory.net/news2011/news-sept11.html, Museum Amneville )

Motorrad mit Zweiradantrieb: Auch nach den Zwischenjahren gern gefahren

All diese Gefährte waren im Nachkriegs-Europa aus der Not geboren, mit ihnen konnte mit minimalem materiellem Einsatze von jedermann auch größere Strecken individuell zurückgelegt werden. Und das war eine Wiederholung der Zwischenkriegsjahre. Nach dem ersten Weltkrieg war der kreative Umgang mit Mangel ebenfalls erste Pflicht.

Heraus kam dabei zum Beispiel die Motorrad- Konstruktion mit Frontantrieb von:

  • NSU die „Motosulm“ (1931 – 1935), ein 63 ccm Zweitakter mit einem PS
  • in Frankreich die „Cyclotracteur“ (wie die Velosolex mit Reibrollenatrieb)
  • die „Flottweg“ aus München, gebaut von Gustav Otto, dem Sohn von Nicolaus Otto, einem der Miterfinder des Viertakters.

Das Motorrad Flottweg erzeugte mit einem Viertakter-Frontantrieb aus ca. 120ccm Hubraum auch ein PS, im Vorderrad lief ein Planetengetriebe, das sowohl als Untersetzung als auch als Kupplung diente.

Hochkomplex, aber es funktionierte…

Megola (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MHV_Megola_02.jpg?uselang=de)

Später wurden Mofas mit Vorderradantrieb simpler

Viel einfacher waren dagegen die meisten Konstruktionen von Fritz Gockerell (nannte sich meist „Cockerell“), verschiedene kleine Zweitakter in unterschiedlichen Konstruktionen wie zum Beispiel den „Piccolo“ brachte der umtriebige Konstrukteur auf den Markt. Und nicht nur diese einfach gebauten Teilchen, sondern auch das berühmte Motorrad „Megola“ entsprang seinem kreativen Geist: Megola, ein Name wie Donnerhall in der Motorradgeschichte, obwohl zwischen 1921 und 1925 nur ca. 2.000 Exemplare gebaut wurden. Das Megola-Motorrad mit Frontantrieb hatte einen mitlaufenden 5 Zylinder-Sternmotor mit 640 ccm mit bis etwas über 10 PS in der Vorderradnabe. Die Kraft wirkte über ein Planetengetriebe ohne Kupplung oder Gangschaltung direkt auf die Achse.

Für den Stadtverkehr war der Bolide nicht gebaut – ein Halt bedeutete zwangsläufig, dass der Motor neu gestartet werden musste. Auf Touren oder der Rennstrecke konnten Fahrer des Frontantrieb-Motorrads das Drehmoment des elastischen Motors jedoch angemessen nutzen. Immerhin wurde Toni Bauhofer 1924 auf einem Megola-Sport-Motorrad mit Frontantrieb erster deutscher Meister bei Motorrädern über 500ccm.

Beeindruckend ist die Megola auch in Aktion!

Cyklon („ZweiRadMuseumNSU Cyklon 1900“ von Joachim Köhler - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ZweiRadMuseumNSU_Cyklon_1900.JPG#/media/File:ZweiRadMuseumNSU_Cyklon_1900.JPG)

Motorrad mit Vorderradantrieb: Was für eine beeindruckende Konstruktion

Aber die Cockerellschen Konstruktionen waren nicht die ersten Produkte dieser Bauart! Unter den Pionieren der Motorradhersteller sind beispielsweise zu nennen: Die mit Riemenantrieb ausgestattete „Cyklon“ aus Berlin, eine 300er, die von 1900 bis 1905 gebaut wurde.

„Motocyclette“ der Gebrüder Werner (Fop Smit, Veteran Motorrijwielen 1885 – 1930, uitgevereij de alk, alkmaar)

Motorrad mit Frontantrieb: Der Markt war da

Zu guter Letzt schließt sich nun der Kreis: Auch in Paris kam 1897 die „Motocyclette“ der Gebrüder Werner heraus. Als eines der ersten in großen Mengen hergestellten Motorräder mit Frontantrieb (217 ccm, 4Takter, fast ein PS stark) „überschwemmte“ diese Konstruktion bis 1901 in (niedriger) vierstelliger Stückzahl sozusagen den gesamten Markt.

Von der Entwicklung des Prototypens übers Fahrrad zum E-Bike mit Frontantrieb

Lassen wir das kurz Revue passieren: In den letzten 120 Jahren zeigte sich, dass der Vorderradantrieb bei Motorrädern nur mit geringer Motorleistung sinnvoll nutzbar ist. Das Problem des kaum zu beherrschendem Schlupf am Vorderrad bei Beschleunigung in Schräglagen bleibt mechanisch wohl unlösbar – der am Hinterrad relativ gut beherrschbare Slide-Effekt dürfte am Vorderrad auch mit einer elektronischen Feinsteuerung analog einer Anti-Schlupf-Regelung kaum in den Griff zu bekommen sein. Es gibt zwei Grundmuster, wie so ein Motorrad konstruiert werden kann: Frontantrieb im Vorderrad oder Motor über dem Vorderrad. Die erste Lösung mit Nabenmotoren ergibt zwar einen niedrigen Schwerpunkt, aber große ungefederte Massen, die einen guten Bodenkontakt schon bei leicht welligem Untergrund erheblich erschweren. Aus der Position des über dem Vorderrad des Motorrads liegenden Frontantriebs folgt dafür ein hoher Schwerpunkt, der zwar bei der Velosolex beherrschbar ist, bei schnelleren Objekten aber für erhebliche Instabilität sorgt.

Eine für den Alltagsbetrieb zufriedenstellend nutzbare Lösung für stärkere Fahrzeuge wurde trotz zahlreicher Anläufe nicht gefunden. Aber es zeigt sich ein Silberstreif am Horizont: Seit es mit dem Elektroantrieb möglich ist, Motoren unproblematisch in Vorderradnaben einzubauen, erleben zumindest kleine Motorräder mit Frontantrieb eine kleine Renaissance. Sicher durch den Straßenverkehr mit einem Motorrad mit Frontantrieb? Für die elektrische Variante hat die R+V24 genau das Richtige für Sie: Eine günstige Elektro-Motorrad-Versicherung.

Bildquelle:
Velosolex: Wikimedia – Luis Miguel Bugallo Sánchez (Lmbuga)
Cyclotracteur: motohistory.net
Megola: Wikimedia – MartinHansV
Cyklon: Wikimedia – Joachim Köhler

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Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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