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Tierunfälle im Straßenverkehr und was dann zu tun ist

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Tierunfälle im Straßenverkehr und was dann zu tun ist

Wer öfters bei Dämmerung auf Landstraßen unterwegs ist, wird bestimmt schon das ein oder andere Tier gesehen haben, wie es die Straße überquert. Einige waren vielleicht sogar schon in einen Wildunfall verwickelt. Wir erklären hier ausführlich, was bei einem Tierunfall zu tun ist, wen Sie informieren müssen und welche Versicherung die entstandenen Schäden abdeckt.

21.12.2020 | R+V24 Team

Ein Tier springt auf die Straße: Was ist zu tun?

Wild kann nicht einschätzen, wie schnell sich Fahrzeuge bewegen. Daher ist es durchaus möglich, dass die Tiere vor ein Auto springen, das sie bereits von weitem sehen. Vermutet man, dass Tiere die Straße kreuzen könnten, gilt:

  • Fahren mit erhöhter Aufmerksamkeit.
  • Fuß vom Gas, immer bremsbereit sein.
  • Fernlicht ausschalten: Das blendet sonst Wildtiere, wodurch sie an Ort und Stelle vor dem Fahrzeug stehen bleiben.
  • Bei Sichtkontakt versuchen, die Tiere durch die Hupe zu verjagen.

Doch auch unvermutet kann es passieren, dass Wild vor das eigene Fahrzeug rennt. Wichtig ist: Niemals versuchen, dem Tier auszuweichen! Stattdessen sollte man das Lenkrad festhalten und so hart bremsen, wie es die Verkehrslage zulässt, im besten Fall eine Vollbremsung einleiten. Durch den Ausweichversuch bringt der Fahrer sonst sich und andere in höhere Gefahr als durch die Kollision mit dem Tier: Sowohl der Gegenverkehr als auch Bäume am Straßenrand sind gefährlicher als der Zusammenstoß mit Wild. Nach dem Aufprall ist die Warnblinkanlage einzuschalten und zunächst die eigene Verfassung so wie die der Insassen zu prüfen. Wurde jemand verletzt, ruft man die 112 an und bittet um Hilfe. Im Anschluss gilt es, die Lage außerhalb des Fahrzeugs zu beurteilen.

War es ein Wildunfall oder ein Tierunfall?

Nicht jedes Tier, das man überfährt, führt zu einem Wildunfall. Als solchen bezeichnet man in Deutschland ausschließlich Fälle, bei denen das Auto Schaden nimmt. Deshalb gilt das Überfahren von kleineren Tieren wie Hasen, Igeln und kleinen Vögel nicht als Wildunfall. Auch, wer Haus- oder Nutztiere wie Hühner, Kühe, Pferde oder Hunde erfasst, verursacht zwar einen Tierunfall, jedoch keinen Wildunfall – selbst, wenn das Auto erheblich beschädigt wird. Aus einem allgemeinen Tierunfall wird nur dann ein Wildunfall, wenn beide Punkte erfüllt sind:

  1. Das Auto wird durch die Kollision mit dem Tier beschädigt.
  2. Das über- oder angefahrene Tier unterliegt dem Jagdrecht.

Dadurch ist es sogar möglich, dass es mal einen Wildunfall darstellt und mal einen Tierunfall, wenn Füchse überfahren werden. Sie unterliegen zwar dem Jagdrecht, aber nicht immer nehmen die Fahrzeuge Schaden. Je nachdem, was für einen Tierunfall man hatte, unterscheidet sich das weitere Vorgehen.

Wildunfall: Wildtier überfahren/angefahren

In einem solchen Fall ist es immens wichtig, so ruhig wie möglich zu bleiben. Man sollte zunächst aus dem Auto heraus Ausschau nach dem Tier halten. Oft flieht das angefahrene Wild auch schwer verletzt noch eigenständig von der Unfallstelle. Das ist bei Unfällen mit Rehen oft zu beobachten: Die angefahrenen Rehe fliehen vom Unfallort und verenden erst einige Minuten später. Außerdem schaltet man die Warnblinkanlage ein und legt eine Warnweste an. Sofern das Tier geflohen ist, ruft man die Polizei an und informiert sie über den Vorfall. Meist muss außerdem ein Jäger in Kenntnis gesetzt werden; dieser händigt auch eine Wildschadenbescheinigung aus, die für die Versicherung wichtig ist. Liegt das Tier regungslos auf der Straße, sollte man sich vorsichtig nähern und verstorbene Tiere gegebenenfalls von der Straße ziehen. Dabei ist wichtig: Handschuhe anlegen! Bei Wildtieren herrscht Tollwutgefahr. Falls man nicht sicher ist, ob das Tier noch lebt, ist größte Vorsicht geboten. Verwundetes Wild wird panisch und versucht in der Regel, sich zu wehren. Auch einen Aufprall bei hoher Geschwindigkeit können Tiere überleben: Es gibt zahlreiche Berichte, dass Leute mit über 100 km/h Wildschweine anfahren und die Tiere den Unfall nicht nur überleben, sondern sehr aggressiv reagieren. Ist das der Fall, geht der Selbstschutz vor und man sollte sein Fahrzeug nicht verlassen. Selbst nach einem Unfall sind Wildschweine sehr wehrhafte Tiere, die Menschen schwer verletzen können.

Außerdem wichtig zu wissen: Tote Tiere dürfen nicht von der Unfallstelle entfernt werden, das stellt den Straftatbestand der Wilderei dar und kann sehr hart bestraft werden.

Tierunfall: Haustier überfahren/angefahren

Wer ein Haus- oder Nutztier verletzt, begeht streng genommen eine Sachbeschädigung. Dennoch ist man nicht verpflichtet, den Besitzer zu informieren, da dieser eine Aufsichtspflicht über sein Tier hat. Daher kommt auch die Tatsache, dass man als Fahrer nicht haften muss, wenn ein Haus- oder Nutztier vor das eigene Fahrzeug rennt und es zu einem Unfall kommt. Verantwortlich ist der Tierhalter. Ist das Tier sicher tot und ist es möglich, es selbst von der Straße zu entfernen, sollte man das tun. In allen anderen Fällen, falls es sich beispielsweise um eine stark befahrene Straße handelt, der Hund oder die Katze noch lebt oder man aus anderen Gründen das Tier nicht von der Unfallstelle an den Straßenrand legen kann, muss man die 110 kontaktieren. Die Beamten werden im Zweifelsfall auch einen Tierarzt hinzuziehen, der über das weitere Vorgehen entscheidet. Wichtig: Wenn das Tier nach dem Unfall noch lebt und der Fahrer sich entfernt, macht er sich der Tierquälerei schuldig. Deshalb gilt in jedem Fall: Anhalten. Außerdem ist es strengstens untersagt, ein verwundetes Tier zu „erlösen“ und eigenhändig zu töten. Nur der Tierarzt darf entscheiden, wann einzuschläfern ist und welche Tiere gerettet werden können.

Man ist im Übrigen nicht dazu verpflichtet, den Halter zu informieren. Dennoch sollte man, wenn die Möglichkeit besteht, das verendete Tier zu einem Tierarzt bringen. Dieser kann überprüfen, ob es einen Chip hat und den Halter in Kenntnis setzen.

Wer zahlt den entstandenen Schaden bei einem Wildunfall?

Für die Schadenregulierung kann eine Voll- oder Teilkaskoversicherung in Anspruch genommen werden. In jedem Fall benötigt man die Wildschadenbescheinigung, die der Jäger ausstellen kann. Man sollte außerdem die am Fahrzeug entstandenen Schäden so ausführlich wie möglich dokumentieren, beispielsweise durch Fotos. Verursacht das Wild den Schaden nicht direkt durch die Kollision, sondern indirekt, weil der Fahrer versucht auszuweichen und einen Baum trifft, haftet er meist selbst. Er kann nämlich nur selten nachweisen, dass er einem Tier ausgewichen ist, wenn keine Zeugen vor Ort waren.

Häufig gestellte Fragen bei Tierunfällen

Wie verhalte ich mich bei einem Wildunfall?

Ist es zu einer Kollision mit Wild gekommen, befolgen Sie diese Schritte:

  1. Bewahren Sie Ruhe.
  2. Wurden Personen verletzt, informieren Sie die 112.
  3. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, legen Sie die Warnweste an und sichern Sie die Unfallstelle.
  4. Informieren Sie in jedem Fall die 110, geben Sie Ihren Standort und den Unfallort durch.
  5. Warten Sie, bis ein Jäger und gegebenenfalls Polizeibeamte eintreffen.
  6. Verletzten Tieren sollten Sie sich nicht nähern.
  7. Tote Tiere ausschließlich mit Handschuhen anfassen.

Wie verhalte ich mich bei einem Tierunfall ohne Wildschaden?

Das hängt stark vom Einzelfall ab. Sie müssen Unfälle mit Kleintieren jedenfalls nicht bei der Polizei melden. Haben Sie Hasen, Mäuse, Eichhörnchen oder dergleichen überfahren und ihr Auto hat keinen Schaden genommen, können Sie sogar einfach weiterfahren. Aber Vorsicht: Haben Sie die Tiere nur angefahren und entfernen sich vom Unfallort, begehen Sie dadurch Tierquälerei. Deshalb sollten Sie in jedem Fall anhalten und nach dem Tier sehen, wenn es gefahrlos möglich ist. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie das verletzte Tier selbstständig zu einem Tierarzt bringen. Die Wildtiere eigenständig zu töten, ist nicht gestattet. Anders verhält es sich, wenn sie Haustiere wie Hunde und Katzen überfahren. Das klären wir in der nächsten Frage.

Ich habe ein Haustier angefahren. Was muss ich tun?

Wenn Sie Hund, Katze oder Ähnliches überfahren oder angefahren haben, müssen Sie in jedem Fall anhalten. Entweder prüfen Sie selbst, ob das Tier noch lebt oder rufen die 110 an und informieren die Polizei über den Vorfall. Halten Sie Ausschau nach dem Besitzer und klären Sie das weitere Vorgehen mit ihm ab. Wenn es Ihnen möglich ist, entfernen Sie ein totes Tier von der Straße. Auf keinen Fall sollten Sie einfach weiterfahren: Wenn das Tier noch lebt, machen Sie als Fahrer sich der Tierquälerei schuldig. Generell steht das versehentliche Überfahren von Hunden oder Katzen nicht unter Strafe.

Bei welchen Tieren muss ich bremsen?

Grundsätzlich ist es immer ratsam zu bremsen, um damit die Aufprallgeschwindigkeit zu reduzieren. Allerdings sollte man stets die Verkehrssituation beachten: Fährt durch den Bremsvorgang ein anderer Verkehrsteilnehmer auf, trägt der Bremsende manchmal eine Mitschuld. Besonders dann, wenn er wegen Kleintieren wie Eichhörnchen oder Igeln bremst, muss der vordere Fahrer für die Schäden am hinteren Fahrzeug mithaften. Als Faustregel kann man sich merken: Ab Katzengröße wird immer gebremst, darunter nur, wenn es der Verkehr zulässt. Das führt natürlich dazu, dass Autounfälle durch Katzen stets als Einzelfall betrachtet werden müssen. Dasselbe gilt für Autounfälle mit kleinen Hunden. Eine Pauschale Antwort, lässt sich also nicht geben.

Was ist bei einem Tierunfall zu vermeiden?

Vor dem Zusammenprall sollten Sie niemals versuchen, dem Tier durch ein Ausweichmanöver auszuweichen. Halten Sie das Lenkrad fest und bremsen Sie so stark, wie es der Verkehr zulässt. Kam es zur Kollision, bewahren Sie Ruhe, vergewissern Sie sich, dass alle Insassen Ihres Fahrzeugs unverletzt sind und Fahren Sie keinesfalls einfach weiter. Informieren Sie die Behörden und warten Sie möglichst nahe der Unfallstelle, wo Sie in Sicherheit sind. Wenn Sie nicht anhalten, machen Sie sich womöglich der Tierquälerei schuldig.

Welche Versicherung reguliert Tierschäden am Auto?

Je nach Art Ihrer Versicherung und des genauen Unfallhergangs kann entweder die Teil- oder die Vollkaskoversicherung Tierschäden regulieren. Es ist auch möglich, dass die Tierhaftpflichtversicherung des Halters greift und diese für Ihre Schäden aufkommt, wenn der Tierhalter seine Aufsichtspflicht verletzt hat und Sie keine Schuld am Autounfall mit Hund oder Katze haben. Um herauszufinden, wer bei einem Tierunfall zahlt und wer anzurufen ist, muss immer der Einzelfall betrachtet werden. Üblich ist, dass, wenn man Haustiere wie Hunde und Katzen überfährt, die Tierhalterhaftpflicht des Besitzers greift. Bei Wildunfällen greift entweder die Voll- oder Teilkaskoversicherung des Fahrzeughalters.

Wann muss ich angefahrenen Tieren helfen?

Generell geht der Selbstschutz immer vor. Sie sind verpflichtet, die zuständigen Behörden einzuschalten, aber einem verwundeten Tier müssen Sie nicht helfen. Eine solche Pflicht gibt es weder bei Kleintieren, noch bei Hirschen und Wildschweinen. Auch kleine Tiere können in Panik geraten und beißen, wodurch Infektionen ermöglicht werden. Deshalb sollten Sie, falls Sie helfen wollen und sich dazu in der Lage sehen, immer Vorsicht walten lassen.

R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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