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Führerschein auf Probe

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Sonderregeln für Fahranfänger: Führerschein auf Probe

In der amtlichen Unfallstatistik fällt die Altersgruppe 18 bis 25 Jahre nach wie vor auf, sie hat ein überproportional hohes Unfallrisiko, wenn man ihren Anteil am Straßenverkehr und an der Gesamtbevölkerung als Basis nimmt.

29.04.2020 | R+V24 Team

Wie man seinen Führerschein auf Probe sicher behält?

Das war schon vor 25 Jahren so – ist aber deutlich besser geworden.
Nach jahrelangen Experten-Runden und Diskussionen wurde 1986 der "Führerschein auf Probe" eingeführt. Seit 1999 gibt es praktisch zweierlei Recht bei Verkehrsverstößen – im Amtsdeutsch spricht man von "individuellen Maßnahmen für Fahranfänger". Diese sind auf drei Säulen aufgebaut:

  • Die Probezeit wird von zwei auf vier Jahre verlängert – ein deutlicher Beweis des Misstrauens.
  • Die Pflicht zur Teilnahme an Aufbauseminaren und
  • die verkehrspsychologische Beratung sind weitere Sanktionen.

Praktisch bedeutet dies, dass der Führerschein eines Fahranfängers deutlich früher als im normalen Punktsystem entzogen werden kann. Diese "eigenständige Regelung für verkehrserzieherische Maßnahmen soll die spezialpräventive Wirkung von Eintragungen im Verkehrszentralregister (VZR) verstärken." Im amtlichen Punktekatalog wird dies in der Rubrik "FaP-Kategorie" bewertet.

Beispiel: Wer ein liegengebliebenes Auto nicht wie vorgeschrieben absichert, beleuchtet oder kenntlich macht und dadurch andere gefährdet, kriegt zwei Punkte und zahlt 40 Euro. Dem Fahranfänger wird zusätzlich noch ein B-Verstoß angekreidet.

Schlimmes und ganz Schlimmes

Deshalb werden in Flensburg neben dem Punktsystem weitere Eintragungen vorgenommen, wobei zwischen A- und B-Delikten unterschieden wird. In die A-Gruppe fallen Tempo-Verstöße von mehr als 20 km/h, das Fahren unter Drogen oder Alkohol und Vorfahrtfehler.

Als "weniger schwerwiegend" gelten die B-Delikte, also beispielsweise technische Mängel am Auto oder das Telefonieren mit dem Handy ohne Freisprecheinrichtung. Schon bei einem einzigen A-Verstoß (oder bei zwei B-Sünden), also schon bei einer Temposünde, wird ein Aufbauseminar angeordnet und die Probezeit um zwei auf vier Jahre verlängert.

Je nach Region kann ein solches Aufbauseminar zwischen 250 und 500 Euro kosten. Es muss innerhalb von zwei Monaten nachgewiesen werden, sonst ist der Führerschein weg und wird erst wieder erteilt, wenn der Nachweis erbracht worden ist. Das kann zeitlich knapp werden, wenn man sich nicht sofort anmeldet – oder alle Plätze belegt sind.

Doppelte Probezeit

Weitgehend unbekannt ist eine versteckte Folge einer A-Sünde: Flensburg tilgt die Sünden von Fahranfängern erst nach Ablauf der Probezeit, also im schlimmsten Fall erst nach vier Jahren!

In der Praxis bedeutet dies, dass bei einem weiteren A-Fehler oder zwei B-Fehlern eine Verwarnung (vor dem anstehenden Führerscheinentzug) und die Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung empfohlen werden. Damit kann man zwei Punkte erlassen bekommen.

Als dritte und letzte Stufe wird die Fahrerlaubnis entzogen, dazu reicht ein weiteres A-Delikt (oder zwei B-Sünden). Eine neue Fahrerlaubnis kann erst nach einer Sperrfrist von drei Monaten beantragt werden.

Wenn es dumm läuft...

Ein einfaches Beispiel kann die besondere Problematik für Fahranfänger, denen ja ganz offiziell noch die Erfahrung fehlt, verdeutlichen:

  • Bei einer Verkehrskontrolle fällt ein Jugendlicher auf, der während der Fahrt mit dem Handy telefoniert hat. An seinem Auto wird ein technischer Mangel festgestellt - das kann schon ein abgefahrener Reifen sein, aber auch eine superschöne Felge, für dies es keine Betriebserlaubnis gibt und wegen der deshalb das Auto als nicht zugelassen gilt. Schon verlängert sich seine Probezeit um zwei Jahre.
  • Ein Jahr später gibt es ein Radarfoto von ihm, er war 20 km/h über dem Limit. Prompt wird die psychologische Beratung fällig.
  • Von nun an hat unser junger Fahrer fast keine Chance mehr – außer er verhält sich absolut korrekt…

So dicht ist kein anderer Verkehrsteilnehmer am potenziellen Führerscheinentzug! Denn nach dem noch geltenden Recht wird für alle anderen Inhaber einer Fahrerlaubnis diese erst nach 18 und mehr Punkten entzogen - im Übrigen nicht von Flensburg, sondern von den Behörden der Länder.

Da darf man sich nicht wundern, wenn man im Internet (www.fahrschule.de) folgende Warnung liest:

  • Wenn Sie an einem kleinen Unfall mit Blechschaden schuldig sind, versuchen Sie auf jeden Fall, den Unfallgegner zu überreden, nicht die Polizei zu benachrichtigen! Machen Sie stattdessen einige Fotos von der Unfallstelle und vom Schaden.
  • Wenn Ihre Autos noch fahrbereit sind, entfernen Sie diese so schnell wie möglich aus Gefahrenbereichen, sorgen Sie dafür, dass der Verkehr nicht behindert wird und schreiben Sie den Unfallbericht! selbst. Polizeibeamte sind meist nicht sonderlich darüber erbaut, solche Bagatellen aufnehmen zu müssen und Sie haben ruckzuck einen A- oder B-Verstoß am Hals und dürfen zum Aufbauseminar...

Wichtig: Die gleichen strengen Regeln gelten natürlich auch beim begleiteten Fahren ("Führerschein mit 17"). Für alle Fahranfänger unter 21 Jahren gilt in der Probezeit die 0,0 Promille-Grenze. Sollte die eingetragene Begleitperson so alkoholisiert sein, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann, wird der junge Fahrer mit zur Verantwortung gezogen und so behandelt, als wäre er ohne Begleitperson gefahren – und seine Fahrerlaubnis wird eingezogen.

R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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