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Auffahrunfall: Wer auffährt ist immer Schuld, oder?

Ähnlich bekannt wie die Winterreifenregel „Von O(ktober) bis O(stern)“, ist bei einem Auffahrunfall die Aussage „Wenn’s hinten kracht, gibt’s vorne Geld.“ Aber stimmt das? Ist wirklich immer der Hintermann schuld?

13.08.2015 | R+V24 Team

Hier haben wir in einer repräsentativen Umfrage nachgehorcht: 39% aller Deutschen sind der festen Überzeugung, dass derjenige, der auffährt, die Schuld trägt. Doch das stimmt nicht! Denn auch der Vordermann muss vorausschauend und mitdenkend fahren: Plötzliches Abbremsen, um dann ohne Blinken abzubiegen oder ein schneller, nicht angezeigter Spurwechsel, der den Hintermann zum Bremsen zwingt, sind nicht zulässig und führen zu einer gewissen Mitschuld. Wir sind für Sie der Frage auf den Grund gegangen, wer denn nun bei einem Auffahrunfall eigentlich Schuld hat.

Schuld bei einem Auffahrunfall: Es gilt der Anscheinsbeweis

Grundsätzlich gilt bei Auffahrunfällen der Anscheinsbeweis, d.h. prinzipiell trägt erst einmal der Hintermann die alleinige Schuld. Mit Hilfe von Zeugenaussagen, Skizzen oder Fotos kann er jedoch dagegen vorgehen und das fehlerhafte Verhalten des Vordermannes nachweisen. Bei einem Auffahrunfall liegt die Beweislast jedoch immer beim Hintermann. Glückt dies, wird dem Vorausfahrendem eine Teilschuld angerechnet.

Wie verhalte ich mich bei einem Auffahrunfall?

Wenn Sie als Hintermann in einen Auffahrunfall verwickelt sind, dann sollten Sie sich immer die Frage stellen, ob der Unfall Ihre Schuld ist:

  • Haben Sie ausreichend Abstand gehalten?
  • Waren Sie aufmerksam oder haben Sie sich vielleicht kurz ablenken lassen?
  • Sind Sie vorausschauend gefahren?

Wenn der Auffahrunfall auf das Verhalten des Vordermannes zurückzuführen ist, dann heißt es, den Beweis dafür anzutreten.

  • Schauen Sie, ob Zeugen den Unfall beobachtet haben, sprechen Sie mit Ihnen und lassen Sie sich auch die Personalien geben.
  • Versuchen Sie mit Fotos und Skizzen den Hergang des Auffahrunfalls so genau wie möglich zu rekonstruieren.
  • Gerade wenn es darum geht, nach einem Auffahrunfall die Schuldfrage zu klären, sollten Sie sich mit Ihrer Versicherung austauschen, ob gegebenenfalls ein Gutachten sinnvoll wäre.

Nicht immer ist die Schuldfrage eindeutig

In der Regel geht die Straßenverkehrsordnung (StVO) davon aus, dass der hintere Fahrer bei einem Auffahrunfall zu wenig Sicherheitsabstand gehalten hat. Ist dies der Fall, müssen Sie sich über die Schuld keine Gedanken machen. Denn die Situation ist dann eindeutig. Problematisch wird es dann, wenn der Vorausfahrende plötzlich bremst, ohne dass es augenscheinlich einen Anlass dafür gab. Was kann also zu einem Auffahrunfall führen? Neben dem nicht eingehaltenen Abstand gibt es folgende Optionen:

  • Gerechtfertigte Bremsung: Zum Beispiel, wenn Tiere oder Personen auf die Straße laufen. Kommt es zu einem Auffahrunfall, liegt die Schuld beim Hintermann, denn die Vollbremsung hat dazu geführt, dass ein Personenschaden entsteht.
  • Ungerechtfertigte Bremsung: Im Straßenverkehr gilt das Vorausschauende Fahren. Kommt jedoch in diesem Fall zu einem Auffahrunfall, liegt zumindest eine Teilschuld seitens des Vordermanns vor und dieser muss mit einer Strafe rechnen. Wie hoch diese ausfällt, können Sie im Bußgeldkatalog nachlesen.
  • Stehendes Fahrzeug: Auch bei diesem Auffahrunfall ist nicht automatisch die Person schuld, die aufgefahren ist. In diesem Fall kommt es auf den Kontext an. Mangelnde Beleuchtung des stehenden Fahrzeugs ist zum Beispiel ein Indiz dafür, dass der Auffahrende das Auto einfach nicht gesehen hat.

Wann hat der Vorausfahrende zumindest eine Teilschuld bei einem Auffahrunfall?

Es gibt Situationen, in denen der Spruch „Wer auffährt, hat Schuld“ nicht automatisch recht hat. Wer trägt also bei einem der folgenden Auffahrunfall-Szenarien die Schuld und was kann überhaupt zu Auffahrunfällen führen?

  • Grüne Ampel: Die Ampel wird grün, alle Autos fahren los, doch plötzlich bremst der Vorausfahrende heftig. Sie fahren ihm hinten drauf. Sofern es keinerlei triftigen Grund für dieses Fahrmanöver gibt, haben Sie gute Chancen, dass die andere Person zumindest eine Teilschuld erhält.
  • Blitzer: Hierbei handelt es sich niemals um einen triftigen Grund. Eine Teilschuld des Fahrers ist äußerst wahrscheinlich. Eventuell gibt es bei so einem Auffahrunfall sogar Punkte in Flensburg.
  • Parklücke: Ebenso verhält es sich, wenn ein Fahrer plötzlich bremst, weil er an einer Parklücke vorbeigefahren ist, die ihm günstig erscheint. Dies ist kein Grund für eine plötzliche Vollbremsung.

Eine vollkommen andere Situation ist es übrigens, wenn der Auffahrunfall beim Spurwechsel passiert. Hier wird mindestens von einer Teilschuld ausgegangen. Doch bei wem? Bei einem normalen Auffahrunfall muss der Auffahrende beweisen, dass er nicht Schuld ist. Anders sieht es bei einem Auffahrunfall aus, der aufgrund eines Spurwechsels (eventuell sogar ohne zu blinken) geschah. Hier steht der Angefahrene in der Pflicht, nachzuweisen, dass er den Unfall nicht fahrlässig herbeigeführt hat.

Schuld bei Auffahrunfall: Welche Folgen das auf Ihre Versicherung hat

Bei einem Autounfall haftet normalerweise automatisch die Kfz-Haftpflichtversicherung. Dies ist auch bei einem Auffahrunfall so. Sollte Ihnen aber eine Teilschuld zugesprochen werden, erhalten Sie nicht die kompletten Kosten erstattet. Anders sieht es aus, wenn bei einem Auffahrunfall die Schuldfrage ungeklärt ist, weil mehrere Fahrzeuge daran beteiligt werden. Sofern der Unfallverursacher nicht festgestellt werden kann und eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen in den Unfall verwickelt waren, kann die Lenkungskommission zu Ihren Gunsten entscheiden. Dann wird Ihnen der Schaden ersetzt und Sie müssen keine Einschränkungen bezüglich Ihrer Schadensfreiheitsklasse befürchten.

Mehr dazu:

R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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