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Starthilfe beim Auto: Voraussetzungen, Reihenfolge, Überbrückung

Die Schwäche der Autobatterie hängt mit ihrer Funktionsweise zusammen. Je kälter die Temperaturen werden, desto weniger Energie hat sie in ihren mit Blei und Schwefelsäure gefüllten Zellen.
Wir zeigen wie die Stromspende per Startkabel funktioniert.

05.05.2020 | R+V24 Team

Stromspende per Starthilfekabel am Auto – wie geht das?

Wenn die Batterie leer ist, kann ein anderes Fahrzeug Starthilfe geben. Dafür müssen Sie lediglich das Auto überbrücken. Doch leichter gesagt als getan. Viele Fahrzeugbesitzer wissen nämlich gar nicht, wie Sie richtig Starthilfe bei einem Auto geben. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen. Doch vorher gilt es die Frage zu klären, die viele Fahrer beschäftigt:

Warum gibt die Autobatterie ihren Geist auf?

Die Schwäche der Autobatterie hängt mit ihrer Funktionsweise zusammen. Je kälter die Temperaturen werden, desto weniger Energie hat sie in ihren mit Blei und Schwefelsäure gefüllten Zellen. Hinzu kommt: Kalte Motoren lassen sich nur schwer in Gang setzen, die "Passungen" in den Lagern sind auf normale Betriebstemperaturen ausgelegt. Ein Motor, dessen Schmieröl zwischen 90 und 115 Grad heiß ist, läuft rund wie ein Uhrwerk. Bei Minusgraden ist das Öl im Motorraum zäh wie Honig und auch das Getriebeöl klebt teerartig an den Zahnrädern. In diesen Fällen passiert es schnell, dass Sie Starthilfe für Ihr Auto benötigen.

Ergebnis: Wer die Maschine anwerfen, also zum Laufen bringen will, muss kräftiger drehen als gewöhnlich. Und genau deshalb wird auch noch mehr Strom verbraucht. Weitgehend unbekannt ist, dass leere, also entladene Autobatterien, sogar einfrieren können. Eine entladene Batterie kann bereits bei 0 Grad C gefrieren.

Hersteller warnen: Niemals eine gefrorene oder aufgetaute Batterie aufladen, sie muss ersetzt werden. Beim Aufladen eines Akkus entsteht das gefährliche Knallgas. Es kann sich an einer Zigarette oder am Funken eines Kurzschlusses entzünden und zu einer Explosion der Batterie führen - dann würde Schwefelsäure verspritzt.

Und so funktioniert Starhilfe bei einem Auto

Voraussetzungen

Wenn Sie einem Auto richtig Starthilfe geben wollen, müssen Sie einige Sicherheitsregeln beachten. Diese können Sie in den Betriebsanleitungen der Autofirmen nachlesen. Allerdings sind die wesentlichen Fakten oft unterschiedlich klar formuliert. Deshalb haben wir Ihnen die Fakten zum Thema „Starthilfe geben“ in dieser Anleitung kurz zusammengefasst: Welche Voraussetzungen müssen Sie bei Starthilfe bei einem Auto erfüllen?

  1. Verwenden Sie nur zugelassene und nach DIN geprüfte Kabel (z.B. DIN 72553)
  2. Achten Sie darauf, dass die Polzangen allseits gut isoliert und die Zangen selbst aus Kupfer sind.
  3. Die Akkus an beiden Fahrzeugen müssen zugänglich sein, die Batterieabdeckungen sind zu entfernen, ebenso Polschutzkappen. Sie müssen die gleiche Spannung (z.B. 12 Volt) haben und in etwa die gleiche Kapazität (Amperestunden Ah) haben.
  4. Um das Auto richtig zu überbrücken, stellen Sie die Fahrzeuge so zu einander, dass sie sich nicht berühren und der Abstand von Akku zu Akku kürzer ist als die Länge der Kabel, die nicht in den Motorraum hineinhängen dürfen.
  5. Beide Motoren müssen vor der Stromspende abgestellt sein.
  6. Wer sich über den Motor beugt, sollte weder lange lose Ärmel noch eine Krawatte tragen - drehende Teile könnten diese erfassen.
  7. Einige Hersteller empfehlen das Tragen eines Augenschutzes (Schutzbrille).
  8. Auch bei der Starthilfe eines Autos entsteht hochexplosives Knallgas. Immer Feuer, Funken, offene Flammen und glimmende Zigaretten von der Fahrzeugbatterie fernhalten. Niemals ein Handy benutzen, während Sie die Starthilfekabel an- oder abklemmen.
  9. Niemals Plus- und Minuspol verwechseln. Der Pluspol ist dicker als der Minuspol.
Richtig verkabeln

Sechs von zehn Neuwagen werden heute mit Start-Stopp-Systemen gekauft. Kaum jemand weiß jedoch, dass bei der Stromspende an diesen Autos die Minuspole der Akkus nicht per Kabel überbrückt werden dürfen. Stattdessen klemmen Sie das schwarze Kabel jeweils an Masse an, beispielsweise an einen Flansch am Motorgehäuse, jedoch niemals an ein stromführendes Kabel oder an eine Brems- oder Kraftstoffleitung.

Achtung: Die Verbindung von Pol zu Pol ist nur dem roten Kabel gestattet, also von Plus zu Plus. Wenn Sie einem Auto ohne Start-Stopp-Systeme Starthilfe geben wollen, dürfen Sie das schwarze Kabel nur an der Spenderbatterie mit dem Minuspol verbinden. Am Auto mit der leeren Batterie machen Sie die Polzange am Motorblock oder an einem damit fest verschraubten Metallteil fest.

Denken Sie daran, dass die entladene Batterie natürlich ordnungsgemäß mit dem Bordnetz verbunden sein muss.

Wie überbrücken Sie ein Auto richtig?

Der Ablauf der Starthilfe bei einem Auto erfolgt nach einer bestimmten, für die Sicherheit wichtigen Logik, damit nicht ein stromführendes Kabel versehentlich mit Minus in Berührung kommen und einen Kurzschluss erzeugen kann. Um ein Auto richtig zu überbrücken, gehen Sie nach folgender Reihenfolge vor:

  • Schalten Sie in beiden Autos die Zündung aus. Ebenso alle Verbraucher (Innenbeleuchtung, Parklicht, Radio, Sitz-und Scheibenheizung, Telefon usw.) ausschalten.
  • Zuerst fixieren Sie das rote Überbrückungskabel am Pluspol der leeren Batterie des Autos, dann führen Sie es zur Spenderbatterie und befestigen es dort ebenfalls am Pluspol.
  • Bei Autos ohne Start-Stopp-System klemmen Sie nun die schwarze Polzange an den Minuspol der Spenderbatterie und das andere Ende des schwarzen Kabels im leeren Auto an Masse.
  • Bei Autos mit Start-Stopp-Systemen erfolgt die schwarze Verbindung analog vom Spender zum Empfänger aber nur von Masse zu Masse.
  • Erst danach starten Sie den Motor des Spenderfahrzeugs im Leerlauf.
  • Dann starten Sie den Anlasser des leeren Autos. Springt der Motor nach zehn Sekunden nicht an, brechen Sie den Versuch der Starthilfe bei dem Auto ab und warten etwa eine Minute. Versuchen Sie es dann erneut.
  • Wenn der Motor läuft, lassen Sie diesen zwei bis drei Minuten laufe, bis er "rund" und gleichmäßig arbeitet. Vorsicht in Garagen wegen der Auspuffgase!
Prüfzeichen sind wichtig

Bevor Sie die Starthilfe bei einem Auto leisten und die Kabel abklemmen, müssen Sie das Abblendlicht (falls es eingeschaltet war) ausschalten. Anschließend schalten Sie Im Fahrzeug mit der entladenen Batterie nun das Heizgebläse und die Heizheckscheibe ein. Das kann Spannungsspitzen beim Abklemmen abbauen.

Als letztes entfernen Sie die Kabel bei laufenden Motoren genau in der umgekehrten Reihenfolge wie beim Anklemmen. Also:

  1. Schwarzes Kabel am Empfänger abklemmen.
  2. Schwarzes Kabel am Spenderauto abklemmen.
  3. Rotes Kabel am Spenderauto abklemmen.
  4. Rotes Kabel am Empfängerauto abklemmen.

Zum Schluss verpacken Sie die Batterien wieder ordentlich, rollen das Kabel auf und schließen die Motorhauben. Die Lichtmaschine des vorher leeren Autos kann nun so viel Strom erzeugen, dass die Batterie auch im Fahrbetrieb nach und nach aufgeladen wird. Für die nächsten Stunden sollten Sie aber auf Stromfresser wie Sitzheizung oder Heckscheibenheizung verzichten. Sofern Sie keinen Fehler gemacht haben, war die Starthilfe des Autos erfolgreich.

Mehr dazu:

R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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