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Fremdkörper im Reifen – Leitfaden zur Reifenreparatur

Unverhofft kommt oft. Dies gilt leider auch für Reifenschäden. Doch wie handeln Sie richtig, wenn Ihr Reifen defekt ist und wann muss eine Reifenreparatur vom Fachmann durchgeführt werden?

04.08.2021 | R+V24 Team

Sie wollen früh in Ihren Wagen steigen und stellen fest, dass in einem Ihrer Reifen die Luft fehlt. Bei genauerem Hinsehen erkennen Sie, dass Sie, dass ein Nagel in Ihrem Reifen steckt. Ein Szenario, das sich kein Fahrzeugbesitzer gerne ausmalt. Doch in diesem Fall heißt es richtig handeln. Sind Sie als Fahrzeughalter das erste Mal mit einem Reifenschaden konfrontiert, schießen Ihnen sicherlich einige Fragen durch den Kopf: Was unternehme ich als erstes? Muss oder kann ich die Reifenreparatur selbst durchführen? Welche Kosten kommen auf mich zu? Im Folgenden erklären wir Ihnen den Ablauf und alle Regelungen zum Thema Reifenreparatur.

Reifenreparatur: Erste Beurteilung

Wenn Sie viel mit Ihrem Auto fahren und zudem auch in unterschiedlichem Gelände unterwegs sind, kann es unter Umständen schon einmal zu einer Reifenpanne kommen. Reifenschäden entstehen häufig dann, wenn sich ein spitzer Gegenstand in die Lauffläche des Reifens festgefahren hat. Als Pkw-Besitzer ergeben sich sofort zwei Überlegungen, wenn Sie in ihrem Reifen einen Nagel entdecken: Reparieren lassen oder den Autoreifen selber flicken? Ist eine Reifenreparatur ausreichend oder müssen Sie einen neuen Reifen kaufen? Sobald Sie die Beschädigung entdecken, ist es wichtig, richtig zu handeln.

  • Ziehen Sie den spitzen Gegenstand nicht aus dem Reifen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen kann es passieren, dass Sie durch das Herausziehen noch größere Schäden verursachen. Zum anderen bleibt das Loch durch den Gegenstand vorerst versiegelt und der Reifen verliert keine Luft.
  • Rufen bei der Werkstatt Ihres Vertrauens an und lassen Sie sich einen Termin geben. Wichtig ist, dass Sie Ihren Reifen von einem Fachmann untersuchen lassen.
  • Kontrollieren Sie den Reifenluftdruck. Hat dieser bereits Luft verloren, fahren Sie zur nächsten Tankstelle und versorgen Sie den Reifen mit Luft. Dies sollten Sie bis zum Werkstatttermin regelmäßig tun. Ein optimaler Reifendruck ist zudem wichtig, damit neben dem Reifen nicht auch die Felge in Mitleidenschaft gezogen wird.
  • Verfügen Sie über einen Ersatzreifen, sollten Sie den beschädigten Reifen wechseln.
  • Verwenden Sie kein Reifenreparaturspray oder vergleichbare Dichtungsmittel, die im Einzelhandel erhältlich sind.
Reifendruck prüfen
Der Fachmann ermittelt: Reifenreparatur Ja oder Nein?

Der Fachmann ermittelt: Reifenreparatur Ja oder Nein?

Haben Sie die oben genannten Schritte durchgeführt gilt es, die Zeit bis zum Werkstatttermin abzuwarten. In der Autowerkstatt finden eine fachgerechte Untersuchung des Reifens statt. Diese muss nach den Reifenreparatur-Vorschriften erfolgen, die gesetzlich in § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verankert sind.

Wann ist eine Autoreifenreparatur zulässig?

Laut diesen Richtlinien ist eine Reifeninstandsetzung möglich, wenn die folgenden Bedingungen zutreffen:

1. Der betroffene Reifen ist noch relativ neu und weist ein gutes Profil auf.

2. Die allgemeine Qualität des restlichen Reifens ist noch in gutem Zustand. Der Reifenschaden beschränkt sich auf einen minimalen Teil des Rades.

3. Sie haben den Reifenschaden frühzeitig festgestellt.

Wann ist eine Reifenreparatur nicht mehr erlaubt?

Auch wenn Sie die anfangs gelisteten Vorschriften befolgt haben und der Zustand des Reifens (Alter, Beschaffenheit) in Ordnung ist, kann die Werkstatt unter Umständen eine Reifenflanke nicht mehr reparieren.

1. Liegt der Schaden länger zurück, ist es nicht mehr möglich, den Pkw Reifen zu flicken. Es kann sein, dass Sie den Reifen zu lange mit zu wenig Luftdruck gefahren haben und deshalb auch die Innenseite des Reifens beschädigt ist.

2. Wenn das entstandene Loch größer als 6 mm ist, kann die Werkstatt den Autoreifen nicht wieder herstellen.

3. Haben Sie im Anfangsstadium versucht, den Reifen selbst zu reparieren (mit Hilfe eines Reifenreparatursprays), kann der Fachmann keine Instandsetzung mehr durchführen.

4. Es ist nicht mehr möglich, den Reifen zu reparieren, wenn die Seitenfläche beschädigt ist.

Trifft eines dieser Kriterien zu, kann eine Reifenreparatur nicht mehr erfolgen. Dann bleibt Ihnen nur noch die Option des Reifenwechsels. Tauschen Sie den beschädigten Reifen durch einen ganz Neuen aus.

Grünes Licht: Reifen reparieren durch Vulkanisieren

Die Werkstatt hat Ihren beschädigten Reifen nun auf Herz und Nieren geprüft und einer professionellen Instandsetzung zugesagt. Damit Sie weiterhin uneingeschränkt fahren können und die Sicherheitsstandards gewährleistet sind, arbeitet die Werkstatt mit einem professionellen Reparaturverfahren: dem Vulkanisieren. Bei dieser Methode stopft der Mechaniker das Loch mit einem speziellen, gummiähnlichen Material aus, welches er anschließend erhitzt und zum Schmelzen bringt. Durch das Schmelzen läuft das flüssige Gummi in alle noch so kleinen Fugen und versiegelt das Loch. Um mit dieser Methode Ihren Reifen reparieren zu lassen, kommen Kosten im Wert von ca. 40 Euro auf Sie zu.

Hinweis: Selbst wenn Sie Ihren Reifen fachgerecht reparieren lassen, sollten Sie den Geschwindigkeitsindex beachten. Laut diesem Index sind Fahrzeugreifen nach Geschwindigkeiten gestaffelt, für die sie geeignet sind.

Erlaubte Höchstgeschwindigkeit Geschwindigkeitsindex
Bis zu 5 km/h A1
Bis zu 10 km/h A2
Bis zu 50 km/h B
Bis zu 60 km/h C
... ...
Bis zu 100 km/h J
... ...
Bis zu 200 km/h U
... ...
Bis zu 210 km/h H
Bis zu 240 km/h V
Bis zu 270 km/h W
Bis zu 300 km/h Y

Bei Reifen, die für eine Höchstgeschwindigkeit ab 210 km/h zum Einsatz kommen, ist die Reifenreparatur mit einem hohen Risiko verbunden. Trotz Vulkanisierung kann es aufgrund der hohen Geschwindigkeiten und der dadurch entstehenden Wärme zu weiteren Schäden im Reifen kommen. Der Geschwindigkeitsindex ist unter anderem in der Reifenkennzeichnung vermerkt.

Sie müssen ihren Autoreifen selber flicken?

In manchen Fällen kann es dazu kommen, dass Sie die Reifenreparatur eigenständig durchführen müssen. In diesen Situationen müssen Sie selbst Hand anlegen:

  • Die Reifenpanne passiert, wenn sie unterwegs sind (zum Beispiel im Urlaub).
  • Der Schaden ereignet sich, aber Sie haben keinen Ersatzreifen.
  • Der Reifen verliert zu schnell Luft.
  • Sie kommen mit dem defekten Reifen nicht einmal mehr bis zur Werkstatt.

Mit einem Reifenreparaturset können Sie Ihren Reifen selbst reparieren.

  1. Ziehen Sie den Gegenstand (z.B. Nagel oder Scherbe) aus dem Reifen heraus.
  2. Pressen Sie anschließend die gesamte Luft aus dem Autoreifen heraus.
  3. Schütteln Sie die Dose mit dem Dichtungsmittel mindestens eine Minute und sprühen Sie den Inhalt anschließend in das Ventil des Reifens. Die Flüssigkeit verteilt sich von allein im gesamten Reifen und dichtet das Loch somit von innen ab.
  4. Manche Reparatursets liefern zusätzlich einen Kompressor mit. Hiermit lässt sich nach der Reifenreparatur Luft in das Rad pumpen, um zu prüfen, ob die Instandsetzung gelungen ist.

Führen Sie im Notfall auch die selbstständige Aufbereitung des Reifens aus, sollten Sie darauf achten, dass das Reifenreparaturset durch den TÜV zugelassen ist.

Hinweis: Auch wenn Sie den beschädigten Autoreifen mit gutem Flickzeug selbst wieder repariert  haben, handelt es sich hierbei nur um eine  kurzzeitige und provisorische Lösung. Suchen Sie nach der eigenen Reparatur unbedingt eine Werkstatt auf und kümmern Sie sich um einen neuen Reifen. Fahren Sie zu schnell mit dem Dichtungsmittel im Reifen, riskieren Sie weitere Schäden und Unfälle.

Reifenreparatur beim Motorrad

Die Regeln und Vorschriften, die für Autos gelten, lassen sich auch auf Motorräder übertragen. Wenn Sie einen Motorradreifen reparieren müssen, sollten Sie ebenfalls zu Beginn den Status quo klären und einigen Fragen nachgehen:

  • Wann haben Sie den Schaden bemerkt?
  • Wie alt oder neu ist der Reifen?
  • Wie groß bzw. schwerwiegend ist das Loch?
  • An welcher Stelle des Reifens befindet sich die defekte Stelle?

Kontaktieren Sie auch als Motorradfahrer so bald wie möglich die nächstgelegene Werkstatt, um die Reifenpanne von einem Fachmann begutachten zu lassen. Verliert Ihr Motorradreifen bereits bei der Feststellung Luft, können Sie an der Tankstelle entweder Luft auffüllen oder mit einem Dichtungsmittel den platten Reifen reparieren. So können Sie zumindest den Weg bis zur nächsten Werkstatt meistern. Bleibt das Loch mit dem Fremdkörper ausreichend verschlossen, sollten Sie den Gegenstand weder entfernen noch auf ein Dichtungsspray zurückgreifen. Nach Anwendung des Dichtungsmittels müssen Sie ohnehin einen neuen Reifen kaufen. Einen Reifenschaden sollten gerade Motorradfahrer nicht auf die leichte Schulter nehmen. Da Sie mit Ihrem Bike hohe Geschwindigkeiten ohne jeglichen Schutz zurücklegen, sollte Ihre Sicherheit an oberster Stelle stehen. Falls die Reparatur nicht ausreicht, sollten Sie in einen neuen Reifen investieren, um Ihrem Hobby weiterhin nachgehen zu können.

Hinweis: Für viele  Mountainbikes  gibt es  Reifen ohne Innenschlauch  („Tubeless“-Reifen). Diese sind in der Regel sehr widerstandsfähig. Dennoch kann es hin und wieder auch hier zu Reifenpannen kommen. Einen  schlauchlosen Reifen zu flicken  ist allerdings  einfacher und schneller im Vergleich zu einem Autoreifen. Die Reifenreparatur können Mountainbiker gut selbst erledigen und solange die geflickte Stelle hält, müssen Sie auch nicht direkt eine Werkstatt aufsuchen.

Fazit

Einen platten Auto- oder Motoradreifen reparieren zu müssen ist etwas, womit kein Fahrzeughalter gerne konfrontiert ist. Dennoch kommen Reifenschäden immer wieder vor. Sowohl für Pkw- als auch Motorradbesitzer ist es wichtig, korrekt zu handeln.

Das Wichtigste für Sie zu wissen:
Eine fachgerechte Reifenreparatur muss ein Fachmann in einer Werkstatt durchführen. Lassen Sie sich also den nächstmöglichen Termin geben. Verfügen Sie über einen Ersatzreifen, sollten Sie diesen umgehend montieren. Haben Sie kein Reserverad, kommt es auf das Stadium des Schadens an. Entfernen Sie den Fremdkörper nicht. Bleibt die Luft im Reifen, haben Sie Glück und kommen so zu Ihrer Werkstatt. Ist der Reifen platt und lässt sich auch nicht mehr aufpumpen, dann müssen Sie Ihren Reifen provisorisch reparieren. Mit einem Reifenreparaturspray schaffen Sie es dann zu Ihrem Werkstatttermin. Bei qualitativ guten Reifen und einem Riss unter 6 mm führt der Fachmann eine Reifenreparatur mit der Vulkanisierungsmethode durch.

Sobald der Schaden jedoch größer als 6 mm ist und zudem ein Erste-Hilfe-Einsatz mit einem Pannenset durchgeführt wurde, führt kein Weg an einem neuen Reifen vorbei.

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R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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