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Gebrauchtwagen mit Mängeln gekauft: Welche Rechte haben Sie?

Schon ist es passiert – Sie haben Ihr Traumauto gefunden. Allerdings nur als Gebrauchtwagen vom Händler oder von Privat. Jetzt möchten Sie sicher gehen, dass etwaige Mängel am Gebrauchtwagen identifiziert und behoben werden. Wir zeigen, welche Rechte Sie haben.

28.07.2021 | R+V24 Team

Endlich steht das Traumauto vor der Garage – doch schon nach ein paar hundert Kilometer bleiben Sie mit Ihrem neuen Pkw liegen. Diagnose: Ihr Gebrauchtwagen weist erhebliche Mängel auf. Schon ist der Ärger groß. Welche Rechte haben Sie in solch einem Fall? Welche Möglichkeiten gibt es, potentielle Mängel am Gebrauchtwagen vorab zu erkennen und beheben zu lassen? Wir haben das Wichtigste zu Mängeln an Gebrauchtwagen für Sie zusammengefasst.

Gebrauchtwagen kaufen: Von Privat oder Händler

Um ärgerliche versteckte Mängel an Gebrauchtwagen beim Autokauf von vorneherein auszuschließen oder gegebenenfalls einen Schadensersatzanspruch geltend zu machen, ist es zunächst wichtig, wo der Wagen gekauft wurde. Denn das hat rechtlich gesehen große Auswirkungen auf Ansprüche und Rechte für Sie als Käufer.

Gebrauchtwagen vom Händler kaufen und Mängel feststellen

Wenn Sie einen Gebrauchtwagen vom Händler kaufen, dann kann dieser Ihre Rechte als Verbraucher zunächst einmal nicht ausschließen. Das bedeutet, der Händler muss für Mängel, die am Gebrauchtwagen entstehen oder bereits vorhanden sind, haften. Allerdings sollten Sie wissen, dass die Haftungsdauer bei Gebrauchtwagen auf ein Jahr verkürzt werden darf. Als Mängel gelten auch Probleme, die beim Gebrauchtwagen auftreten, obwohl dieser eine gültige TÜV-Plakette hat. Das heißt konkret, sollten innerhalb von diesem Jahr Mängel auftreten, die beim Verkauf noch nicht sichtbar oder dem Händler nicht bekannt waren, muss er für Reparaturen aufkommen.

Gebrauchtwagen von Privat kaufen

Wer allerdings einen Gebrauchtwagen von Privat kauft und danach Mängel feststellt, blickt in die Röhre. Denn bei Privatverkäufen kann der Verkäufer seine Gewährleistung und Garantie ausschließen. Das ist im Kaufvertrag festgehalten mit dem Satz „Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“. Das heißt, ein privater Verkäufer haftet nicht für Sachmängel am Gebrauchtwagen. Findet sich dieser Satz nicht im Vertrag oder hat Ihnen der Verkäufer sogar eine freiwillige Garantie zugesagt, dann können Sie ihn unter gewissen Voraussetzungen dennoch zur Kasse bitten.

Außerdem gibt es noch eine gesetzliche Regelung, die über dem Ausschluss der Sachmängelhaftung steht. Wenn der private Verkäufer wissentlich falsche Angaben gemacht hat und vorsätzlich versteckte Mängel verschwiegen hat, dann ist er dennoch haftbar. Im Rechtjargon nennt sich dieser Tatbestand Haftung bei Arglist.

Übrigens: Arglist liegt auch vor, wenn Sie einen Gebrauchtwagen mit Mängeln oder Schäden an den Händler verkaufen und diese verschweigen.

Was ist ein Sachmangel?

Gut zu wissen: Nicht jeder Mangel, den Sie an Ihrem Gebrauchtwagen feststellen, ist tatsächlich ein sogenannter Sachmangel. Denn nur diese fallen unter die gesetzliche Haftung. Mängel am Auto, wie normale Gebrauchsspuren beispielsweise, fallen nicht darunter, sondern werden als normaler Verschleiß bezeichnet. Dazu gehören außerdem:

  • Bremsbeläge und -scheiben
  • Reifen
  • Batterie
  • Zahn- und Keilriemen
  • Auspuffanlage

 Richtige Sachmängel dagegen sind: 

  • Teile wie Autoradios oder Fensterheber, die nicht richtig funktionieren
  • Teile, die nicht sachgemäß montiert sind, beispielsweise ein herunterhängender Auspuff
  • Unzulässige TÜV Plakette, beispielsweise, wenn zum Zeitpunkt des Verkaufs der Gebrauchtwagen aufgrund von Mängeln nicht durch den TÜV gekommen wäre

Ein Sachmangel liegt übrigens auch dann vor, wenn das Fahrzeug nicht die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit aufweist. Dazu gehört zum Beispiel eine falsche Kilometerlaufleistung oder wenn Ihnen erzählt wurde, dass der Wagen keinen Unfall hatte, dem aber so ist. Wenn ein Fahrzeug dadurch komplett untauglich für die Teilnahme am Straßenverkehr wird, muss der Verkäufer laut §434 BGB dafür haften. Sie haben einen Gebrauchtwagen beim Händler online gekauft und es wird Ihnen ein ganz anders Auto geliefert? Auch das zählt zu den Sachmängeln bei Gebrauchtwägen.

Gebrauchtwagen gekauft, Mängel festgestellt – müssen Sie diese beweisen?

Gerade bei Mängeln an Gebrauchtwagen, die erst nach der Übergabe festgestellt werden, entsteht oft Streit darüber, wer verantwortlich gemacht werden kann. Der Händler verweist auf unsachgemäße Nutzung, Sie als Käufer bestehen darauf, dass der Mangel schon vorher bestand. Wer ist im Recht?

Hier gibt es Vorgaben, die am Zeitraum, in dem der Mangel sichtbar wird, festgemacht werden:

  • Innerhalb von 6 Monaten nach Kauf wird laut § 476 BGB zugunsten des Käufers entscheiden: Der Mangel konnte bereits bei der Übergabe vorgelegen haben. Der Verkäufer steht in der Beweispflicht, um seine Haftung abzuwenden.
  • Nach 6 Monaten nach Kauf wird zugunsten des Händlers entscheiden: Sie als Käufer müssen den Sachverhalt nachweisen (das geschieht per Sachverständigten)

Mängel am Gebrauchtwagen beheben – die Optionen

Auch hierbei ist die Haftung entscheidend: Steht der Verkäufer in der Pflicht, die Mängel am Gebrauchtwagen zu beseitigen, dann muss er Ihnen entgegenkommen. Bei Privatverkäufen ist das meist nicht der Fall.

Option 1: Nachbesserung oder Ersatz

Sie als Käufer können, sobald der Sachmangel an Ihrem neu gekauften Gebrauchtwagen erfasst und begutachtet ist, wählen zwischen:

  • Nachbesserung/Nacherfüllung, also Beseitigung des Mangels durch den Verkäufer
  • Ersatzlieferung eines Fahrzeugs ohne Mängel

Bei Gebrauchtfahrzeugen tritt meist der erste Fall ein. Der Händler erhält zwei Versuche, die Mängel am Gebrauchtwagen zu beseitigen.

Wichtig für Sie: Die Nachbesserung ist nur beim Verkäufer möglich – Sie können den Wagen also nicht bei einer anderen Werkstatt reparieren lassen und die Rechnung dem Händler vorlegen.

Option 2: Rücktritt vom Kaufvertrag oder Minderung des Kaufpreises wegen Mängeln

Die Kaufpreisminderung (nach sachverständigem Bericht) oder gar den gesamten Rücktritt vom Kaufvertrag (Rückgaberecht) Ihres Autos aufgrund von Mängeln können Sie in drei Fällen rechtlich durchsetzen:

  • Der Verkäufer weigert sich Nachbesserungen zu machen
  • Die Nachbesserung sind nach zwei Versuchen fehlgeschlagen
  • Die Nachbesserung ist Ihnen als Käufer nicht zuzumuten

Der Rücktritt vom Kaufvertrag bei Gebrauchtwagen ist nur möglich, wenn ein erheblicher Mangel vorliegt. Gut zu wissen: Sie erhalten nicht den vollen Kaufpreis zurück. Ihr Vorteil zum Beispiel durch die Nutzung des Wagens (Kilometerlaufleistung) wird vom Gesamtpreis abgezogen.

Welche Kosten übernimmt wer?

Jetzt ist noch zu klären, welche Kosten Sie als Käufer und welche der Verkäufer übernimmt. Diese Kosten übernimmt der Verkäufer:

  • Alle Kosten der Nachbesserung (vom Abschleppen bis zur Reparatur)
  • Haftung bei Arglist: Alle Kosten, die aus der Arglist entstanden sind
  • Die Mängel fallen unter die Gebrauchtwagengarantie: Auch dann haftet der Verkäufer

Schwieriger wird es, beispielsweise die Kosten für den Ausfall des Wagens geltend zu machen. Diese sogenannten kleinen Geldforderungen können ohne Anwalt in Schieds- oder Mahnverfahren durchgesetzt werden. Meist läuft es aber darauf hinaus, dass Sie als Käufer diese Kosten übernehmen müssen.

Fazit: Gebrauchtwagen mit Mängeln

Lassen Sie sich von Ihrem Traumauto und seinen Mängeln nicht die Laune verderben. Gerade, wenn Sie Ihren Wagen beim Händler gekauft haben, haben Sie die Möglichkeit nachbessern zu lassen. Ansonsten empfehlen wir Ihnen beim nächsten Gebrauchtwagenkauf noch genauer hinzuschauen.

R+V24 Team Experten rund ums Auto

Mehr als nur die Versicherung von Fahrzeugen! Das R+V24-Team der Kfz-Versicherung schreibt über Erfahrungen sowie Kenntnisse rund um das Thema Auto, Motorrad, Roller und Co. So arbeitet ein bunt gemischtes Team daran, die Faszination und das Wissen für alles auf Rädern hier im Magazin zu teilen.

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