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Elektromobilität in Deutschland: Die Probleme der Ladeinfrastruktur

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Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge: Reicht staatliche Förderung der Elektromobilität aus?

Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist ausbaufähig. Die Zahlen im Bereich Elektromobilität zeigt, dass Deutschland noch nicht soweit ist, wie es sein könnte. Doch woran liegt das? Gibt es zu wenig Fördermöglichkeiten? Mangelt es am Ausbau der Ladesäulen? Die R+V24 hat einen Blick auf die Thematik geworfen.

22.06.2021 | R+V24 Team

Wenn von Elektromobilität die Rede ist, kommt man um ein Thema nicht herum: Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Mit ihr steht und fällt der Erfolg der E-Mobilität in Deutschland. Wenn Autofahrer ihre elektrischen Fahrzeuge nirgendwo aufladen können, werden sie sich diese erst gar nicht anschaffen. Hinzu kommt, dass sich gerade in Deutschlands Großstädten, wo Elektromobilität mit unter den größten Nutzen bringen würde, die Situation am schwierigsten darstellt: Während im ländlichen Raum eigene Garagen und Stellplätze, wo man Ladesäulen installieren kann, an der Tagesordnung sind, stellen diese in Städten wie Berlin und Hamburg echte Raritäten dar. Und selbst wenn man als Mieter oder Wohnungseigentümer im Besitz eines eigenen Stellplatzes ist, heißt das noch lange nicht, dass man auch Anspruch auf eine eigene Ladesäule hat.

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen

2017 gab es rund 10.700 öffentlich zugängliche Ladepunkte, verteilt auf etwa 4.730 Ladesäulen. Davon waren rund 530 Schnellladesäulen. Insgesamt wurden 2017 54.492 Elektrofahrzeuge verkauft. Deren Marktanteil liegt damit bei bescheidenen 1,6 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick wenig, bedeutet aber ein Plus von 117 Prozent bei den Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr. Doch wie sieht die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge heute aus? Hat sich im Bereich Elektromobilität etwas getan?

Tatsächlich lässt sich in Q1 2021 ein Rekordwert* verzeichnen. Die E-Auto-Ladeinfrastruktur hat sich deutlich verbessert. Die Anzahl der Ladestationen in Deutschland liegt bei rund 22.000. Einbezogen in die Berechnung werden sowohl normale Ladesäulen als auch Schnellladestationen. Damit wird ersichtlich, dass die aktuelle Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut wurde. Die meisten Lademöglichkeiten befinden sich in Parkhäusern oder an öffentlichen Parkplätzen.

Ladesäulen in Deutschland: Zu viele Köche verderben den Brei

Trotz der Rekordwerte gibt es auch weiterhin Turbulenzen, wenn es um die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität in Deutschland geht. Diese Probleme stellen auch heute noch eine Hürde dar:

  1. Die Ladesäulen werden in der Regel von örtlichen Stromanbietern betrieben und können nur genutzt werden, wenn man über eine entsprechende Ladekarte verfügt. Diese müssen Sie vorab beantragen.
  2. Es gibt unzählige Abrechnungsvarianten: Wie sollen Nutzer von E-Autos an Ladestationen bezahlen? Manche Netzbetreiber bieten Prepaidkarten an, andere Tarife beinhalten eine monatliche Grundgebühr. Mal bezahlt man die Standzeit, mal die geladene Menge Strom. Wird nach der Standzeit berechnet, hängen die Kosten von der Ladegeschwindigkeit der Elektromobilität ab. An manchen Ladesäulen wird sogar eine Pauschale fällig, die Sie unabhängig von der Standzeit und Strommenge bezahlen müssen.
  3. Haben Sie einen Vertrag mit einem örtlichen Stromanbieter, können Sie die entsprechende Ladekarte im Regelfall nicht an den Ladesäulen anderer Anbieter nutzen.
  4. Selbst in Großstädten liegen manchmal mehrere Kilometer zwischen den einzelnen Ladesäulen. Eine Ausnahme ist Hamburg. Hier ist die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland am besten ausgebaut.
  5. Auf dem Land gibt es in vielen Ortschaften keine öffentlichen Ladesäulen.

Einige Probleme versucht die Bundesregierung zu beheben. 2020 gab es einen erneuten Aufruf zur Förderung von Ladesäulen. Bis zu 3.000 Normal- und 1.500 Schnellladepunkte konnten gefördert werden. Damit wurde versucht, die E-Mobilität durch staatliche Förderung zu verbessern. In Sachen Ladeinfrastruktur für Elektromobilität gibt es aber auch weiterhin viel zu tun.

Der Otto-Normalverbraucher ist der entscheidende Faktor

Das war jetzt nur ein kurzer Überblick über die aktuellen Problemfelder von Deutschlands Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Er zeigt jedoch, dass noch viel getan werden muss, wenn Politik und Wirtschaft der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen wollen. Neben dem Mangel an Ladesäulen schrecken insbesondere die heterogenen Bezahlsysteme den Verbraucher ab. Erst wenn es gelingt – analog zur klassischen Tankstelle – ein bundesweit einheitliches Abrechnungsmodell zu schaffen, wird die Akzeptanz bei den Bürgern steigen.

Im Gegensatz zu den derzeitigen „Fans“ der Elektromobilität, möchte der Otto-Normalverbraucher seine Route nämlich nicht im Vorfeld passend zu den vorhandenen Ladestationen planen. Und er möchte auch nicht vor Abfahrt darüber nachdenken müssen, ob er in Stadt B überhaupt mit seiner Ladekarte aus Stadt A Strom tanken kann. Hier müssen Politik und Wirtschaft gemeinsam tätig werden.

Anspruch auf private Ladesäulen wird geprüft

Derzeit haben insbesondere Mieter in Mehrfamilienhäusern und Wohnungseigentümer keine rechtliche Handhabe, wenn Sie sich ein Elektroauto anschaffen und dazu private Ladesäulen an ihrem Stellplatz installieren möchten. Das Problem ist bekannt und wird im Koalitionsvertrag von CDU und SPD adressiert: „Den Einbau von Ladestellen für Elektrofahrzeuge von Mieterinnen und Mietern sowie Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümern werden wir rechtlich erleichtern“.

Was genau das bedeutet, weiß allerdings niemand so recht. Einige Verkehrsexperten fordern etwa einen Rechtsanspruch auf eine private Wallbox, da der Zugang zu privater Ladeinfrastruktur als entscheidender Faktor für den Wechsel vom Verbrenner zum Elektrofahrzeug angesehen wird. Einige Bundesländer haben sich dieser Forderung bereits vor zwei Jahren angeschlossen und versuchen diese über eine Bundesratsinitiative durchzusetzen. Bislang ohne Erfolg – denn die Bundesregierung will den Anspruch auf eine Ladesäule nicht mit einer schnellen Gesetzesänderung herbeiführen. Aber warum?

Bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten – und bei der privaten Ladeinfrastruktur ist das nicht anders. Denn so wünschenswert es wäre, dass jeder Mieter und Wohnungseigentümer eine private Wallbox installieren darf, so problematisch ist die Thematik mit Hinblick auf die Stromversorgung der einzelnen Gebäude. Grundsätzlich sind die meisten Hausanschlüsse nämlich nicht auf mehrere Großverbraucher ausgelegt. Solange in einem Haus mit zehn Parteien nur zwei Elektroautos geladen werden sollen, ist das im Regelfall kein Problem. Sobald aber jeder der zehn Haushalte ein Elektroauto und eine eigene Ladestation hat, ist unter Umständen die Stromversorgung des ganzen Gebäudes gefährdet. Zumindest dann, wenn kein Lastmanagement zum Einsatz kommt.

Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, warum der Gesetzgeber zwar Handlungsbedarf sieht, aber sich dem Thema private Ladeinfrastruktur für Elektromobilität mit einer gewissen Zurückhaltung annimmt.

Länder fördern Bau von Ladesäulen und Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge

Während der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur in vielen Fällen an den fehlenden Rechtsgrundlagen scheitert, mangelt es bei den öffentlichen Ladesäulen zumeist an den finanziellen Mitteln. Aus diesem Grund haben einige Bundesländer nun Förderprogramme aufgelegt: Baden-Württemberg beispielsweise stellt 2,2 Millionen Euro für einen flächendeckenden Ladenetzausbau zur Verfügung. Ziel ist es, in einem Raster von zehn mal zehn Kilometern mindestens eine Ladestation mit einer Ladeleistung von 22 kW oder mehr stehen zu haben, in einem 20 mal 20 Kilometer großen Abschnitt muss es mindestens eine Schnelllade-Säule mit 50 kW geben. Dazu kooperiert das Land mit der EnBW und 74 Stadtwerken.

Leider bedeutet die Bereitstellung von finanziellen Mitteln nicht automatisch, dass diese auch abgerufen werden. Das zeigt das Beispiel Sachsen-Anhalt. Dort hat das Land für 2018 300.000 Euro für den Bau von E-Tankstellen zur Verfügung gestellt – und bleibt nun auf 100.000 Euro sitzen. Den Medien zufolge sind nicht einmal 100 Anträge zur Förderung öffentlicher Ladestationen eingegangen. Von diesen wiederum scheiterten einige an der Anforderung, dass die geplante Station 24 Stunden am Tag öffentlich zugänglich sein muss. Es liegt demnach nicht nur an der Regierung, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität so schleppend vorangeht.

Übrigens: Auch private Haushalte können in einigen Städten eine Förderung für die Installation einer Wallbox erhalten. In Düsseldorf etwa werden private Ladesäulen mit 500 Euro bezuschusst, in Dachau mit 250 Euro. Es lohnt sich, sich vorab bei den lokalen Energieversorgern nach etwaigen Förderungen zu erkundigen.

Vieles ändert sich seit der Eröffnung der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur

Bundesminister Andreas Scheuer gab am 06.10.2020 bekannt, dass es nun eine Förderung für Ladesäulen im privaten Raum geben soll. Damit geht Deutschland einen wichtigen Schritt im Bereich Ladeinfrastruktur für Elektromobilität nach vorn. Einen Antrag stellen dürfen:

  • Träger von Investitionsmaßnahmen zur Errichtung einer Ladestation für Elektroautos im nicht öffentlich zugänglichen Bereich von selbst genutzten oder vermieteten Wohngebäuden.
  • Träger von Investitionsmaßnahmen sind zum Beispiel Privatpersonen, Wohnungseigentümergemeinschaften, Wohnungsunternehmen, Wohnungsgenossenschaften und Bauträger.

Die Förderung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge im nicht öffentlichen Raum erfolgt durch einen Investitionszuschuss.

Quellen:

www.statista.com

R+V24 Team Experten rund ums Auto

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