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Der neue Toyota Mirai

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Test: Der neue Toyota Mirai im R+V24 Fahrbericht

Da ist es also, das weitere Angebot auf dem Markt der alternativen Antriebe. Denn wir sind uns sicherlich einig, dass meistens von einem E-Fahrzeug die Rede ist, wenn man von einem alternativen Antrieb spricht. Das stimmt beim Toyota Mirai nur bedingt, schließlich tankt dieser Wasserstoff und wandelt diesen in Strom um, der dann den Elektromotor speist. Ein echter Alternativ-Antrieb also! Wie sich das Ganze fährt und ob Wasserstoff-Fahrzeuge heutzutage wirklich alltagstauglich sind? Das nehmen wir im Drive Check unter die Lupe!

30.08.2021 | Jens Stratmann

Toyota Mirai Design Check

Wow! Was für eine Erscheinung! Der Toyota Mirai macht richtig etwas her, wirkt stattlich und staatsmännisch! Nun, mit 4,97 m in der Länge muss er sich selbst vor einer Audi A6 Limousine nicht verstecken, die mit ihren 4,93 m schon nicht klein ist. Mit einer Breite von 1,88 m liegen beide gleichauf, mit einer Höhe von 1,47 m ebenfalls. Aber will der Toyota Mirai den A6 überhaupt ins Visier nehmen?

 

Anders als der Ingolstädter wirkt der Toyota Mirai aufsehenerregender. Vielleicht ist es seine glattflächige Front mit der hochaufbauenden Nase, die den Japaner so muskulös wirken lässt. Die Scheinwerfer erscheinen dabei so schmal und der Kühlergrill so groß, wie bei einem zum Angriff heranschnellenden Hai. Bullig ist der Toyota Mirai dabei ebenfalls, was dem Faktor geschuldet ist, dass es so gut wie keine Ecken oder Kanten gibt. Alles wirkt, als wäre es aus einem Guss. Das fällt besonders beim Betrachten der Seitenlinie auf. Hier sind eher Parallelen zum Audi A7 als zum A6 erkennbar. Das Dach fällt Coupé-gleich hinter der B-Säule ab und mündet in einer kleinen Abrisskante am Heck – das Abstecken des Konkurrenzumfelds ist also klar.

 

Gerade von hinten schließt sich wieder der Kreis zum deutschen Premium-Hersteller: Schaut man nur mit einem Auge hin, könnte man vermuten der Toyota Mirai sei wirklich ein Audi A7. Gewollt oder nicht, das sei dahingestellt. Schlecht sieht das Ganze nicht aus: die flache Heckscheibe, das durchgehende Leuchtenband und die auffällige Heckschürze. Aber das liegt ja, wie immer, im Auge des Betrachters.

Toyota Mirai Innenraum Check

Im Auge des Betrachters liegt auch, ob der Innenraum gefällt. Zwar ist der Instrumententräger etwas zerklüftet, an der edlen Anmutung gibt es aber nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil: Man fühlt sich eher, als würde man in einem Lexus platznehmen. Die Klavierlack-Optik wirkt nobel, zieht aber natürlich Fingertapser magisch an. Hinzu kommen hochwertige Oberflächen, unterschäumte Kunststoffe und eben dieses Gefühl, ein besonderes Auto zu fahren.

 

Dazu passen auch die besonders bequemen Sitze, die schön weich und komfortabel sind, mit Seitenhalt aber nichts am Hut haben. Neu ist in der zweiten Generation, um die es hier geht, dass im Fond nun drei Sitzplätze bereitstehen. Zu fünft reist es sich dennoch nicht angenehm, aber welches Auto kann das schon? Dafür steht hinten eine großzügige Beinfreit zur Verfügung – sehr angenehm. Dennoch, einen Haken gibt es: Aufgrund der Wasserstofftanks im Boden, musste die Rücksitzbank erhöht eingebaut werden. Zusammen mit der Coupé-haft abfallenden Dachlinie wird die Kopffreiheit stark limitiert. Dafür konstruierte Toyota zwar extra eine Mulde, dennoch fühlen sich besonders Großgewachsene, als hätten sie ein Brett vor dem Kopf.

 

Bleiben wir also lieber in Reihe eins. Hier gefallen besonders die digitalen Instrumente, die reichlich Informationen über den Zustand der Brennstoffzelle anzeigen. Positiv fällt zudem die Positionierung des Infotainments auf. Der Bildschirm löst hoch auf und lässt sich gut erreichen, die Bedienung ist jedoch etwas umständlich und nicht immer logisch.

Toyota Mirai Antriebs Check

Schauen wir uns einmal das Herzstück des Toyota Mirai an – den Elektromotor! Wieso Elektromotor? Nun, ganz einfach, weil dieser in einem Brennstoffzellen-Fahrzeug für Vortrieb sorgt. So stecken im Toyota Mirai 330 Brennstoffzellen, eine Hochvoltbatterie und ein Elektromotor, der ein Leistungsoutput von 132 kW/180 PS und 300 Nm bietet. Die Kraft wird dabei über ein stufenloses Getriebe an die Hinterräder abgegeben. Und dank des 5,6 kg fassenden Wasserstofftanks sollen 650 km Reichweite machbar sein.

 

Das Angenehme: Ein Tankvorgang dauert rund fünf Minuten und unterscheidet sich kaum vom Benzin- oder Diesel-Tanken. Danach stehen wieder rund 650 km Reichweite bereit. Die Fahrleistungen sorgen allerdings nicht für weit aufgerissene Augen – schuld daran ist das Gewicht von nicht gerade niedrigen 1.900 kg. Und so benötigt der Toyota Mirai 9,2 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h. Der Riegel wird dem Vortrieb bei 175 km/h vorgeschoben.

 

Abgase entstehen naturgemäß nicht. Wer auf die große Show steht, kann aber, wie ein pinkelnder Hunde-Rüde, über die H2O-Taste am Lenkrad, einen Wasserstrahl mit reinem, destilliertem Wasser aus dem Unterboden laufen lassen. Ansonsten verdampft oder tröpfelt das Endprodukt einfach aus einem kleinen Röhrchen.

 

Wie aber funktioniert das Prinzip der Brennstoffzelle? Das klären wir im Fahreindruck-Check. Hier schauen wir noch einmal auf den Wirkungsgrad eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs – der Knackpunkt des Ganzen. Man spricht bei dieser Fahrzeuggattung von maximal 65 Prozent. Ein BEV, also ein batterieelektrisches Fahrzeug, liegt bei bis zu 90 Prozent. Außerdem ist Wasserstoff nur klimaneutral, wenn er mittels regenerativer Energie erzeugt wird. Und das ist nur zu geringen Teilen der Fall. Aktuell wird Wasserstoff zu großen Teilen aus Erdgas gewonnen.

Toyota Mirai Fahreindruck Check

Startet man den Toyota Mirai, erfreut man sich über das nahezu lautlose Fahren, ähnlich der Geräuschkulisse eines Elektrofahrzeugs. Der gasförmige Wasserstoff in den Tanks, die unter anderem im Mitteltunnel untergebracht sind, wird mittels Elektrolyse zu Wasser und Strom umgewandelt. Letzterer wird in eine kleine Pufferbatterie gespeist, die schließlich den E-Motor antreibt. Jener liegt im Heck und sorgt mit seinem Eigengewicht für gute Traktion beim Beschleunigen.

 

Was gefällt – immerhin sprechen wir hier von einem Elektro-Motor, der schlussendlich für Vortrieb sorgt – ist das unvermittelte Beschleunigungs-Vermögen. Kein Zögern, keine Gedenksekunden – es geht voran, wie bei einem Stromer. Im Sportmodus gänzlich unverwässert, im Eco- und Normal-Mode etwas gedämpft, um möglichst viel Wasserstoff zu sparen. Das passt gut zum Toyota Mirai, der sich insgesamt sehr kommod und sanft darstellt. Überdies ist er sehr leise, wodurch hoher Langstreckenkomfort entsteht. Die einzigen Geräusche sind hier und dort ein leichtes Zischeln, Gurgeln oder Summen – ganz normale Geräusche bei einem Wasserstoff-Fahrzeug und absolut unbedenklich oder gar störend.

Toyota Mirai Preis Check

64.900 Euro soll der Toyota Mirai kosten. Klingt zunächst nach viel Geld. Dennoch muss man diese Zahlen in Relation sehen. Zum einen ist die Wasserstoff-Technologie ein sehr neuer Pfad – und neue Technologien sind teuer. Zum anderen ist der Mirai um einiges günstiger als der Hyundai Nexo – eines der wenigen, aktuell verfügbaren Wasserstoff-Fahrzeuge überhaupt. Jener kommt auf 77.000 Euro, ist also rund 12.000 Euro teurer. Beim Toyota kommen außerdem aktuell 7.500 Euro Umweltprämie als Abzug hinzu, sodass wir noch von rund 57.000 Euro sprechen. Und das macht die Sache wiederum interessanter. Besonders, wenn man bedenkt, dass der Toyota Mirai bereits vollausgestattet ist. Einzig die Metalliclackierung für 990 Euro steht in der Aufpreisliste.

Fotogalerie

Das ist der neue Toyota Mirai!

Schon am Heck-Design erkennt man den neuen Toyota Mirai, hier vermisst man die Abgase übrigens gar nicht!

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Ein stattliches Design, der Toyota Mirai präsentiert sich umfassend überarbeitet!

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Ausreichend Platz für vier Personen, die großen Wasserstoff-Tanks reduzieren aber das Kofferraumvolumen!

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Gefälliges Front-Design, der Toyota Mirai fällt nicht mehr so aus der Rolle!

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An den kleinen Details erkennt man den Antrieb, per Tastendruck kann der Mirai auch Wasser ablassen!

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Gute Sitzposition, angenehme Sitze und ausreichend Platz vorne!

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Lautlose Wohlfühloase auf den hinteren Plätzen!

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Digitale Displays und etwas verspielt im Innenraum!

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Das Wasserstoff-Fahrzeug fährt sich – wie überraschend – wie jedes andere Auto auch!

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Die Brennstoffzelle stellt den Strom für den Elektroantrieb selbst her, Tankstopps gehen zwar ins Geld, dezimieren das Zeitkonto aber nur gering.

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Der Kofferraum überzeugt nicht gerade, wie wäre es mit einem Toyota Mirai Kombi?

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Das innovative Kamerasystem schützt Felgen und Karosserie vor Beschädigungen!

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Über die H20-Taste kann man – wie bei einem James Bond Filmfahrzeug – Wasser ablassen, vergisst man es, passiert es automatisch!

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Toyota Mirai Zielgruppencheck und Fazit

Kommen wir direkt auf den Punkt: Der Toyota Mirai ist etwas für Individualisten! Die Optik mag, besonders im Vergleich zum Vorgänger, harmonischer geworden sein. Limitierend ist aber die schlecht ausgebaute Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland. Aktuell kann man an 88 Standorten Wasserstoff tanken, elf weitere sollen in naher Zukunft dazukommen. Vergleicht man, wie viele Tankstellen für herkömmliche Verbrenner bereitstehen – über 14.000 Tankstellen! – bekommt man einen Eindruck, wie schwierig das Vorankommen mit einem Brennstoffzellen-Fahrzeug sein kann. Da hilft es auch nur wenig, dass Toyota verspricht, dass die angesaugte Luft, die für den chemischen Prozess benötigt wird, sauberer wieder austrete als vorher.

Jens Stratmann Automobil-Journalist

Baujahr 1979, technisch im einwandfreien Zustand! Nach einer Ausbildung und über elf Jahren Erfahrung im KFZ-Bereich, machte Jens seine Passion zu seinem Beruf. Jens schreibt Beiträge über Neu- und Gebrauchtwagen, die auf persönlichen Erfahrungen und Fahrtests zu dem jeweiligen Auto basieren.

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