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Audi R8 Spyder V10 RWD Fahrbericht | Test | Review

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Audi R8 Spyder V10 RWD Fahrbericht | Test | Review

Der Winter naht! Ach nee, falsch! Der Frühling naht! So, jetzt passt´s! Man spürt es schon: Die Tage werden länger, man möchte raus, dem Schnee etwas trotzen und dem Corona-bedingten Stuben-Koller entkommen. Wir haben da eine Impfung in petto, die den Stuben-Blues so schnell wegpustet, dass einem das Grinsen sprichwörtlich ins Gesicht getackert wird. Das Rezept kostet allerdings mindestens 157.000 Euro. Dafür ist es verschreibungsfrei. Die Rede ist vom Audi R8 Spyder V10 RWD!

18.02.2021 | Jens Stratmann

Audi R8 Spyder V10 RWD Design Check

Er ist schon jetzt ein Dinosaurier, der Audi R8 Spyder RWD. Nicht, weil er so groß, urgewaltig oder alt wäre. Nein, sein Motorenkonzept ist einfach nicht mehr en vogue und ist dem Untergang geweiht. Mit einem großvolumigen Verbrenner gewinnt man heute keinen CO2- oder Verbrauchs-Blumentopf mehr. Mit Verlaub: Für diesen einen Beitrag, für diese paar Minuten – vom Teasertext bis hin zum Fazit – schwärmen wir. Wir singen eine Ode auf sportlich-unvernünftige Autos, die einfach Spaß machen. Danach denken wir wieder an die Umwelt – versprochen! Schließlich ist der Audi R8 Spyder RWD sündhaft teuer und für Otto Normal unerreichbar. Umso mehr wollen wir schwärmen.

Schwärmen von einem 4,43 m langen Boliden, der sich mit seinen 1,94 m Breite stattlich auf die Straße stellt und mit gerade einmal 1,24 m Höhe dafür sorgt, dass sich der geneigte Millionär sportlich betätigen muss, wenn er sich beim Einsteigen nicht lächerlich machen möchte. Einfach wird´s natürlich, wenn das Stoffmützchen hinter den Vordersitzen verschwindet. Das geht übrigens elektrisch in 20 Sekunden und sogar per Fernbedienung. Dann geht das Cabrio – pardon! – der Spyder als atemberaubend schöner Bolide durch.

Am Bug erkennt man sofort, wessen Schmiedes Kind die Flunder ist: Großer Singleframe, geschärfter Blick – das ist ein Audi! Die Proportionen geben dazu sofort Bescheid, dass der Antrieb nicht etwa vorn, sondern vor der Hinterachse eingebaut ist. Und damit gleicht er seinem Konzernbruder, dem Lamborghini Huracan. Nicht minder undramatisch ist der Abgang: LED-Rückleuchten, scharfe Abrisskante und zwei armdicke Endrohre zeugen vom Sportsgeist, den Audi Sport auf die vier Räder gestellt hat.

Blick in den vorderen Inneraum

Audi R8 Spyder V10 RWD Innenraum Check

Und den Sportsgeist genießt man am besten ungefiltert. Sprich: Dach auf, Zündung und… Gänsehaut! Der Zehnzylinder beherrscht ein Klangbild, bei dem sämtliche Tenöre erblasst die Bühne verlassen. Von bassig grummelnd im Leerlauf, über böse bellend bei der Zündung, bis hin zum hysterischen Schreien beim Ausdrehen. Herrlich und einzigartig! Man wird einfach nie müde, die Tonleiter des V10 rauf und runter zu jubeln. Eine Urgewalt, dieses Aggregat!

Das hat natürlich wenig mit dem Innenraum zu tun, dringt aber bis in das Interieur hinein. Mehr braucht man eigentlich nicht. Das wussten auch die Interieur-Designer und reduzierten den Look auf das wirklich Nötigste. Ein großes Infotainment-Display, mittig auf dem Armaturenbrett? Braucht man nicht? Dafür gibt es das digitale Cockpit, das sogar die Navi-Karte anzeigen kann. Die Bedienung erfolgt über den MMI-Controller in der Mittelkonsole. Das ist nicht sofort eingängig, aber auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger sind nämlich der rote Startknopf auf dem Lenkrad, der große zentrale Drehzahlmesser, den man einblenden lassen kann, und der Drive-Mode-Schalter.

Bequem machen kann man es sich auf den Sportsitzen, die für Großgewachsene aber nicht weit genug nach hinten gefahren werden können. Allen anderen bieten sie guten Halt, nerven aber nicht mit übertriebener Härte. Die ein oder andere Pizza inklusive Tiramisu auf den Hüften erlaubt das Gestühl durchaus. Weiteres Gepäck sollte man indes nicht dabeihaben. Chunk in the trunk fallen bei 112 Litern Kofferraumvolumen nämlich aus. So kann man für eine Jacke, am besten mit hohem Kragen (damit man keinen steifen Nacken beim Offenfahren bekommt), ein paar Fahrer-Handschuhe und eine Packung Baldrian mitführen. Warum? Das klärt der Fahreindruck!

Blick in den Motorraum

Audi R8 V10 Motoren Check

Wir haben es bereits erwähnt: Unter der Abdeckung im Heck wartet ein V10, dass man ihm die Sporen gibt. Das ist eigentlich typisch für einen Lamborghini. Doch auch die Ingolstädter blicken auf eine längere Zehnzylinder-Historie zurück. Man denke nur ein den Audi S6 und RS6 des Typs C6 oder an den Audi S8 D3 – ja (!), da verrichteten herrlich unvernünftige Zehnender ihre Arbeit.

Nun, im Audi R8 Spyder RWD, blicken wir wohl auf den letzten V10 seiner Art. Der nächste R8 – sofern er denn kommen wird – soll elektrifiziert werden. Was auch immer das heißen mag. Bleiben wir aber beim RWD, der seine Kraft von 397 kW/540 PS bei 7.900 U/min entwickelt und sie aus 5.2 Litern Hubraum schöpft. Wir sprechen hier von einem Hochdrehzahlkonzept, das frei atmen darf und nicht per Turbo oder Kompressor zwangsbeatmet wird.

Damit erreicht man 322 km/h Höchstgeschwindigkeit, nachdem der 7-Gang-Doppelkuppler die Gänge auf dem Weg zum Heck fein säuberlich durchgeflippert hat. Ganz genau: Heck! Der Audi R8 Spyder RWD schickt seine Leistung einzig und allein an die Hinterräder! Entsprechend lässt man die Traktionskontrolle am besten an.

geöffneter Tankdeckel

Beachtlich ist das Spurttalent des Neckarsulmers: In 3,8 Sekunden geht es per Launch Control auf 100 km/h. Und das ist ein durchaus beeindruckender Wert, wenn man bedenkt, dass einzig die Hinterräder werden angetrieben und der Spyder immerhin 1.760 kg wiegt.

Verbrauch? Ja, hat er. Müssen wir mehr sagen? Ok, ok… 13,2 Liter verspricht Audi – im Labor, versteht sich. Auf der Straße sind es eher 17-20 Liter. Zum Glück fahren wir nicht alle mit diesem Supersportler durch die Gegend – unserer Umwelt zuliebe. Da macht auch die Euro 6d-Einstufung wenig wieder gut.

Audi R8 Spyder V10 RWD Heckansicht

Audi R8 Spyder V10 RWD Fahreindruck Check

Verzicht – das ist die Devise des Audi R8 Spyder RWD! „Na klar…“, mögen Sie jetzt denken! 540 PS, 322 km/h und 3,8 Sekunden auf 100 km/h, „… klingt TOTAL nach Verzicht!“. Nein, bei den Fahrleistungen verzichtete man bei Audi nicht. Wohl aber beim Gewicht! Schließlich werden nur die Hinterräder angetrieben, sodass keine Kardanwelle, kein Vorderachs-Diff und auch keine Quattro-Lamellenkupplung mehr nötig sind. Und so verzichtet man auf 55 kg!

Tankdeckel mit R8 Gravur

Entsprechend agil lässt sich der Bolide bewegen. Am liebsten mag der Audi R8 Spyder RWD winklige Bergpässe. Da zupft man vor der Kurve zweimal an der linken Lenkradwippe, das DSG feuert zwei Stufen herunter, die Drehzahl schießt nach oben und im Scheitelpunkt der Biegung geht man sanft aufs Gas. Übertreibt man es, gibt es Tacho-Kirmes: Das ESP wacht sachte aber sorgsam über die Hinterräder und versucht möglichst sauber wieder für Vortrieb zu sorgen, während die Kontrollleuchte um ihr Leben blinkt. Auf der Geraden ist das in der Regel kein Problem, weil der V10 mit seinem Gewicht auf die Hinterachse drückt und man so rasend schnell in Tempobereiche vordringt, die einen schneller in die nächste Gefängniszelle bringen, als zur Tankstelle. Dann hält man besten an und nimmt eine Baldrian. Fahren sollte man dann nicht mehr.

Selbst mit Stoffdach sieht der Audi R8 Spyder noch wunderschön aus!

Dennoch: Sperre am Heck sei Dank, macht der RWD den Kurvenradius kleiner, dreht bei übermäßigem Gaseinsatz und gelockertem bzw. deaktiviertem Schleuderschutz ein. Wer es aber bei Sportmodus belässt, hat einen unterhaltsamen Begleiter unter dem Allerwertesten, der es jedoch nie übertreibt oder den Fahrer überfordert. Die elektromechanische Lenkung gibt dabei immer ordentliches Feedback – ohne Antriebseinflüsse natürlich – das man braucht. Für die Flaniermeile ist sie zudem komfortabel genug. Selbst der Federungskomfort ist erwähnenswert: Klar, vor Krefelder Kissen sollte man abbremsen, oder der Audi R8 Spyder RWD holt sich eine aufgeschürfte Nase. Das Rückenmark der Passagiere bleibt aber heil, weil der Sportler tatsächlich so etwas wie Federweg bietet.

Wir wünschen uns einen "endless Summer"!

Audi R8 Spyder V10 RWD Preis Check

Machen wir es kurz: Otto Normal und ich werden uns den Spaß vom Audi R8 Spyder RWD nie leisten können. Nicht, ohne beide Nieren zu verkaufen. Und dann würde die Freude am Audi R8 Spyder RWD nicht lang währen – auch blöd. Mit 157.000 Euro Basispreis muss man rechnen. Das sind immerhin gut 26.000 Euro weniger, als für einen R8 Spyder mit Quattro! Oder, um es ins Otto-Normal-Verhältnis zu setzen: Dafür bekommt man einen gut ausgestatteten Audi A1. Addiert man etwas Ausstattung und Gimmicks hinzu, kommt man auf rund 170.000 Euro. Die Ausstattungsdetails sparen wir uns an dieser Stelle einfach, da es zu sehr schmerzt, dass unten vor dem Wohnhaus nie ein Audi R8 Spyder RWD dauerhaft parken wird. Auf der Suche nach einem Kritikpunkt? Beim Einparkvorgang hat man kein freies Sichtfeld auf das Bild der Rückfahrkamera.

Audi R8 Spyder V10 RWD Zielgruppencheck und Fazit

Wir sagen Goodbye zu diesem herrlich unvernünftigen Antrieb. Ein Motor, wie aus einer Heldengeschichte, der es so faustdick in seinen zehn Brennräumen hat, wie Leonidas Spartiaten hinter sich hatte. Anders als jener, hat der Audi R8 Spyder RWD aber deren 540 in petto, während Leonidas lediglich auf 300 Unterstützer bauen konnte. Irgendwann werden sich unsere Enkelkinder vielleicht davon erzählen, dass man vor zig Jahren fossilen Brennstoff in Fahrzeuge kippte und damit höllischen Lärm verursachte, der auch noch über ein Drehzahlband generiert werden musste. Bis dahin schauen wir weiter nach günstigen Krediten für einen Dinosaurier, der vorm Aussterben bedroht ist. Natürlich nur im Sinne des Artenschutzes – versteht sich!

Jens Stratmann Automobil-Journalist

Baujahr 1979, technisch im einwandfreien Zustand! Nach einer Ausbildung und über elf Jahren Erfahrung im KFZ-Bereich, machte Jens seine Passion zu seinem Beruf. Jens schreibt Beiträge über Neu- und Gebrauchtwagen, die auf persönlichen Erfahrungen und Fahrtests zu dem jeweiligen Auto basieren.

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