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2020 KIA Ceed SW PHEV Fahrbericht | Test | Probefahrt

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Test: 2020 KIA Ceed SW PHEV Fahrbericht | Probefahrt

Kein SUV. Kein Crossover. Sondern einfach nur ein SW – ein Station Wagon. Das ist neudeutsch für Kombi, also einen klassischen Kombinationswagen, der eine Limousine mit einem Kastenwagen verbindet. Im Fall des Kia Ceed SW kommt dabei aber keine schnöde Box auf Rädern heraus, sondern ein durchaus ansehnlicher Kombi der Kompaktklasse. Als besonderen Leckerbissen hat der koranische SW dazu einen modernen Antrieb, einen PHEV – also einen Plug-In Hybriden – unter dem Blech. Der Test zeigt, was der Kia Ceed SW PHEV wirklich auf dem Kasten hat.

25.11.2021 | Jens Stratmann

KIA Ceed SW PHEV Design-Test

„Ein Plug-In Hybrid ist doch so ein Öko-Mobil, das aussieht wie ein Ufo – Hauptsache anders.“ Nein, Vorurteile haben im Drive Check keinen Platz! Zum einen, weil wir so etwas gar nicht erst zulassen und zum anderen, weil der Kia Ceed SW PHEV Plug-In Hybrid im Test aussieht, wie ein schicker Kombi. Abgesehen vom E-Kennzeichen gibt es kaum Anzeichen für den Antrieb.

So schaut der Kompakt-Kombi aus seinen LED-Scheinwerfern grimmig auf das Mitbewerber-Umfeld. Und das ist nicht gerade klein. Da wären etwa ein Opel Astra ST, ein Ford Focus Turnier oder Seat Leon – um nur einige zu nennen. Jedes dieser Fahrzeuge hat sein eigenständiges Design – und der Kia Ceed SW PHEV zieht im Test keineswegs den Kürzeren. Mit seiner Tigernase, den Markengrill, zeigt der Koreaner Eigenständigkeit. Einzig der große Lufteinlass unterhalb des Kennzeichens erinnert ein wenig an den vergangenen Ford Focus. Die dreidimensional gestaltete Motorhaube mit angedeutetem Powerdome lässt den Kia dazu selbstbewusst-stämmig dastehen.

In der Seitenansicht wirkt der Kia Ceed SW nicht minder gefällig. Man ist fast schon geneigt zu sagen, dass seine Seitenansicht teutonisch-geradlinig daherkommt. Der Koreaner ist dynamisch und schnörkellos – beste Zutaten für einen zeitlosen Auftritt. Montiert sind dazu passende Leichtmetallfelgen im 17-Zoll-Format, während 16-Zoll-Felgen serienmäßig sind. Und zu einem PHEV, der per se effizient sein soll, würde das auch gut passen. Die heute so modernen Riesen-Felgen mit Breitreifen ergeben wenig Sinn, da sie einen erhöhten Rollwiderstand mitbringen.

Kommen wir zur Heckpartie: Auch hier ist der Plug-In-Antrieb nur sehr subtil zu erkennen. Und würde man die Typenschilder abbestellen, würde man den Hybriden gar nicht als solchen erkennen. Ein Hybrid ist aber nicht nur der Antrieb: Die Rückleuchten vertrauen ebenfalls auf einen Mix. Die Koreaner mischen LED-Elemente mit herkömmlichen Leuchtmitteln. Ansonsten finden sich am Heck die üblichen Verdächtigen, wie etwa ein sportlicher Dachspoiler oder Endrohr-Blenden – das kennt man von den Mitbewerbern. Und wie bei jenen, passen die Abmessungen des Kia Ceed SW PHEV im Test ebenfalls gut ins Umfeld. Mit 4,61 m in der Länge, 2,06 m in der Breite (mit Außenspiegeln) und 1,47 m in Höhe passt der Koreaner bestens in die Riege der Kompakt-Kombis. Pardon, Kompakt-Station-Wagons!

2020 KIA Ceed SW Innenraum

KIA Ceed SW PHEV Innenraum-Test

Und wie sieht es im Innenraum aus? Kompaktklasse-Einerlei? Das kann man nicht behaupten! Der Kia Ceed SW gefällt vorn mit Teilleder-Sitzen, die einen angenehmen Halt bieten, aber komfortabel genug für die Langstrecke sind. Die Gurthöhenverstellung ist für den Komfort ebenfalls von Vorteil. Hinzu kommt das Lenkrad, das nicht nur wirklich gut in der Hand liegt, sondern auch axial und vertikal verstellbar ist. So stellt sich schnell eine bequeme Sitzposition ein.

Der Blick fällt dabei auf zwei klassische Rundinstrumente. Das wird in Zukunft sicherlich nicht ewig so bleiben: Wer einen Blick in den Kia Niro PHEV wirft, erkennt schnell, dass Kia auch sehr hübsche digitale Instrumente im Angebot hat. Die analogen Anzeigen des Kia Ceed SW PHEV zeigen im Test rechts den Tacho inklusive Tankuhr und links eine Anzeige für Charge, Eco und Power. Klein ist hier eine Batterie-Ladestandsanzeige integriert.

Ausreichend Platzangebot vorne!

Mittig fällt das große Infotainment-System mit 10,25 Zoll großem Touch-Display auf, das zusätzlich mit Direktwahltasten – direkt darunter – bedient wird. Die Handhabung ist intuitiv, die Menüführung einfach. Wie es heute mittlerweile fast Standard ist, verzichtet auch Kia nicht auf Apple CarPlay und Android Auto – allerdings noch mit Kabel.

Die Bedienung geht nicht nur beim Infotainment gut von der Hand, sondern auch beim Rest. So verfügt der Kia Ceed SW über ein großes, übersichtliches Bedienteil für die Klimaautomatik, das ohne komplizierte Verschachtelung in Infotainment-Menüs auskommt. Weiter hinten, neben dem Wahlhebel, gibt es zudem ein paar Tasten, etwa für den Hybrid- oder Elektromodus. Außerdem gibt es eine Sporttaste, die bei einem Spritsparmodell allerdings zu hinterfragen ist.

Ausreichend Platz auch hinten!

Beim Ablagen-Test schlägt sich der Kia Ceed SW PHEV ebenfalls ganz wacker. So finden sich zwei große Getränkehalter in der Mittelkonsole, die bei Nichtgebrauch unter einem Rollo verschwinden – das wirkt chic! Daneben gibt es ein kleines Krümel-Fach sowie die Mittelarmlehne mit Staufach. Die Türtaschen nehmen es zusätzlich locker mit 1,25-Liter-Flaschen und Warnwesten auf. Angenehm auch die Größe des Handschuhfachs. Von der praktischen Seite zeigt sich der Kia Ceed SW mit seinem Brillenfach im Dachhimmel. Praktikabel erscheint auch die Installation der Rückfahrkamera, da der Koreaner eine breite D-Säule mitbringt.

Wir waren bei der Frage, ob der Kia Ceed SW Kompaktklasse-Einerlei bietet. Vorn ist das nicht der Fall, hinten eher. Die Rückbank ist zwar bequem und bietet eine angenehm lange Beinauflage. Der Beinraum ist jedoch etwas knapp bemessen. Gut hingegen, dass die Füße unter die jeweiligen Vordersitze ausgefahren werden können.

Kia Ceed SW PHEV Kofferraum

So bietet der Koreaner auch auf Langstrecken einen ausreichenden Komfort für die hinten Sitzenden. Für das Wohlbefinden sorgen hier zudem eine Mittelarmlehne, kleine Türtaschen für Krimsrams sowie eine zweistufige Sitzheizung links und rechts. Luftausströmer gibt es obendrein. Und für den Transport von Kindern stehen Isofix-Befestigungen links und rechts bereit. Wichtig: Kia hat im Fond nicht gespart und bietet Fensterheber mit Automatikschaltung und Einklemmschutz!

Der Kia Ceed SW PHEV Plug-In Hybrid Kofferraum – eines der wichtigsten Themen bei einem Kombi – öffnet im Test elektrisch. Ansonsten ist das Platzangebot aber etwas reduziert. 437 bis 1.506 Liter sind leider am unteren Ende der Range in der Kompaktklasse. Das liegt daran, das unter dem doppelten Ladeboden der Akku des Antriebs untergebracht wurde. Die Zuladung von 429 kg ist ebenfalls etwas knapp. Dafür fällt die Ladekante mit einer Höhe von 66 cm angenehm niedrig aus.

2020 KIA Ceed SW PHEV Motor(en)

KIA Ceed SW PHEV Motoren-Test

Kommen wir zum Herzstück des Kia Ceed SW: Dem PHEV-Antrieb. Sinn und Sinnhaftigkeit des PHEV? Vor allem, wenn man ihn zu Hause in der Garage oder vor dem Haus laden kann, ist der Entschluss für einen PHEV nicht verkehrt. Ansonsten eher schwierig. Zwar ist das Laden auch an öffentliche Ladesäulen möglich, doch nimmt man den BEVs – also den rein batterieelektrischen Fahrzeugen – die Plätz weg. Und das kann zu Diskussionen führen. Der Vollständigkeit halber: Das Laden mit dem Typ 2-Stecker dauert 135 min bis zur Vollladung der 8 kW/h Batterie.

Die Kraft der zwei Herzen!

Für Vortrieb des Kia Ceed SW PHEV sorgt im Test einerseits ein 1.6 Liter Benziner mit 77 kW/105 PS und einem maximalen Drehmoment von 147 Nm. Im Zusammenspiel von Verbrenner mit dem Elektromotor steht eine Systemleistung von 104 kW/141 PS bereit und das maximale Drehmoment steigt auf 265 Nm. Die Kraftübertragung übernimmt ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und leitet die Leistung an die Vorderräder. Wer nur den Elektromotor nutzt, soll bis zu 55 km weit kommen.

Möchte man maximalen Vortrieb, arbeiten beide Antriebe zusammen und ermöglichen einen Spurt auf 100 km/h in 10,8 Sekunden sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h. Und das ist für ein Fahrzeug mit einem Gewicht von 1,6 Tonnen recht passabel. Vor allem, wenn man sich den NEFZ-Verbrauch von 1,3 Liter/100 km im Hybridmodus ansieht. Wie sieht es damit aber in der Realität aus?

KIA Ceed SW PHEV Test

KIA Ceed SW PHEV Fahreindruck-Test

Im normalen Straßenverkehr kann man den NEFZ-Verbrauch tatsächlich erreichen, wenn man die maximale elektrische Reichweite ausnutzt und sehr behutsam fährt. So sind Verbräuche von 1,4 bis 6,9 Liter möglich. Letzteres, wenn man es besonders sportlich angeht. Sparsamkeit ist also durchaus möglich. Im Alltag, unter Berücksichtigung von etwas hügeligem Gelände, konnten im Testbetrieb 40 km rein elektrisch gefahren. Die Rekuperation wandelt Bremsenergie derweil in Strom um. Schade nur, dass ein Speichern der Energie nicht möglich ist, um die Batterie zu nutzten, wenn man sie braucht. Etwa, wenn man erst eine längere Autobahnfahrt und zum Ende eine reine Stadtfahrt abspulen muss.

Ansonsten zeigt sich der Kia Ceed SW PHEV im Test zuvorkommend und angenehm. Die Lenkung ist leichtgängig und ausreichend präzise, das Fahrwerk komfortabel. Außerdem ist der Kia Ceed SW auch bei Richtgeschwindigkeit angenehm leise. Schade: Die Freisprecheinrichtung hatte das Problem, dass Gesprächspartner sich selbst gehört haben.

KIA Ceed SW PHEV Probefahrt

KIA Ceed SW PHEV Preis-Test

34.990 Euro stehen auf dem Zettel, wenn es ein Kia Ceed SW PHEV sein soll. Das ist etwas mehr als der entsprechende Diesel. Allerdings muss man die staatliche Förderung für Fahrzeuge mit einer größeren elektrischen Reichweite noch vom Grundpreis abziehen. Vorteil des PHEV: Geschäftswagenfahrer werden aufmerken, da Hybride nur zu 0,5 Prozent versteuert werden müssen. Hier werden die Ladekabel aber wohl in der Originalverpackung bleiben. Schade eigentlich, da das rein elektrische Fahren durchaus Spaß bereitet. Bedenken muss man hingegen den Stromverbrauch: Kia gibt 11 kW/h an, realistischer sind wohl eher 12-13 kW/h. Das fällt natürlich weg, wenn man beispielsweise bei der Arbeit umsonst laden kann.

KIA Ceed SW PHEV Zielgruppencheck und Fazit

Der Kia Ceed SW ist ein Kompaktklasse-Kombi – oder Sportswagon – der sich nicht verstecken muss. Weder mit seinem Design, noch mit seiner Verarbeitungsqualität oder vor der Konkurrenz. Noch vor zehn Jahren hätte man den Koreaner kaum eines Blickes gewürdigt, während die Fahrzeuge heute auf Augenhöhe mit den Mitstreitern agieren. Im Kia Ceed SW PHEV ist der Innenraum des Testwagens aufgeräumt, die Bedienung gelingt stets einfach und sparsam kann der Kia Ceed SW auch sein. Einzig die Platzverhältnisse im Fond und Kofferraum könnten noch etwas wachsen. Aber – da kann man sich sicher sein – das wird Kia nicht lange auf sich beruhen lassen.

Autoquartett-Daten des Kia Ceed SW PHEV Tests

Motorleistung:

104 kW / 141 PS

Drehmoment

147 Nm

0 – 100 km/h:

10,8 Sekunden

Vmax:

195 km/h

Kofferraumvolumen:

437 – 1.506 Liter

Verbrauch:

1,3 l / 100 km

Basispreis:

34.990 €

Alles in allem fällt mein Testbericht zum Kia Ceed SW PHEV sehr positiv aus. Ich kann den Hybriden jedem empfehlen, für den Geschwindigkeit gepaart mit Komfort ein Kaufkriterium ist.

Jens Stratmann Automobil-Journalist

Baujahr 1979, technisch im einwandfreien Zustand! Nach einer Ausbildung und über elf Jahren Erfahrung im KFZ-Bereich, machte Jens seine Passion zu seinem Beruf. Jens schreibt Beiträge über Neu- und Gebrauchtwagen, die auf persönlichen Erfahrungen und Fahrtests zu dem jeweiligen Auto basieren.

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