Eye Tracker warnt vor Sekundenschlaf am Steuer
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat schätzt, dass jeder vierte tödliche Autobahnunfall darauf zurückzuführen ist, dass ein Autofahrer für einen kurzen Moment einnickt.
Der Sekundenschlaf ist vor allem bei hohen Geschwindigkeiten gefährlich. So legt ein Auto bei Tempo 130 in fünf Sekunden eine Strecke von 180 Metern zurück.
Diese Gefahr könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Denn das neue System "Eye Tracker" des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie warnt vor Sekundenschlaf.
Eye Tracker warnt den Fahrer
Anhand der Bewegung von Pupille und Augenlidern erkennt der "Eye Tracker", dass der Autofahrer seine Lider langsamer bewegt oder sogar schließt. In Echtzeit könnte das System eine Warnung auslösen.
"Denkbar wäre eine Warnleuchte, ein lauter Ton oder auch ein spürbares Vibrieren im Lenkrad", erläutert Entwickler Frank Klefenz. Dadurch könnte der Fahrer wachgerüttelt und daran erinnert werden, dass er besser eine Pause einlegt oder einige Stunden schläft.
Dreidimensionale Aufnahmen in Echtzeit
Zwar gibt es auch andere Anbieter von Systemen, die prüfen, ob der Mensch am Steuer noch wach ist. "Aber wir sind die einzigen, die in Echtzeit eine dreidimensionale Aufnahme realisieren", erklärt Klefenz.
Derzeit verhandle sein Institut im thüringischen Ilmenau mit mehreren Autofirmen über die Erprobung und den Einbau von "Eye Tracker". Noch sieht der Prototyp sehr unförmig aus mit großen Objektiven und einer sperrigen Apparatur. Aber wenn das System in Serie geht, kann es auf sehr kleinem Raum gebaut werden. "Dazu genügen kleine Linsen, wie sie heute in jeder Handy-Kamera eingebaut sind", erläutert der Fraunhofer-Entwickler. Diese ließen sich fast unsichtbar beispielsweise in den Rückspiegel und seitlich von der Windschutzscheibe einbauen.
Wie arbeitet der Eye Tracker?
"Eye Tracker" arbeite so diskret, dass der Fahrer im Normalfall überhaupt nicht merke, dass er kontrolliert werde. Auch Sonnenbrillen mit sehr dunklen oder gar verspiegelten Gläsern seien für das System kein Problem, weil es mit infrarotem Licht arbeite. "Das ist für den Menschen unsichtbar, macht unsere Technik aber auch unabhängig von Fremdlicht", so Klefenz. Das heißt, es ist auch bei völliger Dunkelheit einsetzbar.
Die Fraunhofer-Forscher stellen sich vor, dass der "Eye Tracker" die Daten des jeweiligen Fahrers, wie die Kopfgröße oder die Art der Augen- und Lidbewegungen, künftig speichert und dessen Verhalten in die Berechnungen mit einbezieht. Entsprechend können dann auch mögliche Warnsignale individuell auf den jeweiligen Menschen hinter dem Steuer eingestellt werden.
Zwar wird "Eye Tracker" wie viele andere technische Neuigkeiten wohl zunächst in Autos der Oberklasse zu finden sein, aber das dürfte ausnahmsweise nicht an den Kosten liegen. Denn Klefenz ist überzeugt, dass Herstellung und Einbau bei einer Serienproduktion bei unter 100 Euro liegen werden.











