Wechselkennzeichen: Kurz vor der Einführung?
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat für Mitte des Jahres 2011 die Einführung von Kfz-Wechselkennzeichen in Aussicht gestellt.
Mit nur einer Autonummer unterwegs
Mit dem Cabrio an sonnigen Tagen unterwegs, mit dem E-Auto zur Arbeit und mit der Familienkutsche in den Urlaub - und das alles mit nur einer Autonummer. Was in der Schweiz und Österreich seit langem gut funktioniert, soll, so will es das Bundesverkehrsministerium, schon im kommenden Jahr in Deutschland gelten.
"Für die Einführung von Wechselkennzeichen steht die Ampel jetzt auf grün. Es ist uns gelungen, die Versicherungswirtschaft für unser Vorhaben zu gewinnen. Jetzt können wir mit der gesetzlichen Umsetzung starten. Bis zum Jahreswechsel wollen wir unser Ziel erreichen. Wir prüfen nun, welche Fahrzeuge einbezogen werden können. Klar ist: Wir wollen mit dem Wechselkennzeichen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und einen Anreiz für jene schaffen, die sich zum Beispiel ein Elektroauto kaufen wollen", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Lediglich Details seien noch zu klären, heißt es beim Bundesverkehrsministerium in Berlin. Dabei erhoffen sich Politiker und Experten von den neuen Schildern einen "spürbaren konjunkturellen Impuls" für den deutschen Automobilmarkt.
Das neue Nummernschild soll für bis zu drei Fahrzeuge gelten. Es soll aus einem fest am jeweiligen Kfz montierten Teil und einem Wechselelement bestehen, welches umgesteckt werden muss. Mit dem geplanten Wechselkennzeichen darf dann jeweils nur ein Wagen gefahren werden. Hintergrund der Pläne ist das Ziel, mehr abgasarme Autos auf die Straßen zu bringen.
Was sind Wechselkennzeichen?
Ein Wechselkennzeichen ist ein Fahrzeugkennzeichen, das für verschiedene zulassungspflichtige Kraftfahrzeuge ausgestellt wird.
Dabei ist immer nur das Fahrzeug für den Verkehr zugelassen, bei dem das Kennzeichen im Moment verwendet wird.
In Deutschland werden Wechselkennzeichen aufgrund ihres Aussehens bisher umgangssprachlich als "rote Nummern" bezeichnet. Das Kennzeichen enthält nach dem Unterscheidungszeichen (für den Landkreis oder die Stadt) die Zahlen "06" oder "07" und weitere fortlaufende Zahlen, die der Unterscheidung dienen. Sie werden für Oldtimer (Sammler-Wechselkennzeichen) oder von Händlern benutzt.
Wie läuft es in anderen Ländern mit Wechselkennzeichen?
In Österreich kann man bis zu drei Fahrzeuge derselben Fahrzeugklasse (Kraftrad, Pkw, Lkw) unter einem einzigen Kennzeichen anmelden. In der gemeinsamen Zulassungsbescheinigung ist der Vermerk "Wechselkennzeichen" angebracht.
Der Fahrzeughalter bekommt eine Garnitur (zwei) Kennzeichen, die aber immer nur auf einem der zugelassenen Fahrzeuge gleichzeitig montiert werden dürfen. Die Autos ohne angebrachtes Kennzeichen dürfen nicht auf öffentlichen Verkehrsflächen abgestellt werden. Dafür gibt es aber Ausnahmegenehmigungen. Steuer und Versicherung richten sich nach dem jeweils teuersten Fahrzeug. Vignetten müssen für jedes Fahrzeug erworben werden. Es ist nicht möglich, Motorrad und Pkw gemeinsam zuzulassen.
In der Schweiz kann man die sogenannten Wechsel-Kontrollschilder nur für höchstens zwei Fahrzeuge derselben Kategorie und desselben Halters mit Standort im selben Kanton bekommen. Das jeweils teuerste Fahrzeug wird versichert und versteuert. Ein Abstellen ohne Kennzeichen auf öffentlichen Straßen ist ebenfalls nicht möglich.
Wie soll es in Deutschland laufen?
Wer das neue Schild beantragt, kann, so die Vorstellungen des Bundesverkehrsministeriums, damit bis zu drei Autos fahren.
Der ADAC hat ein Konzept vorgelegt, nach dem man nur noch einmal Versicherung und Kfz-Steuer bezahlt, allerdings für das Auto mit dem teuersten Tarif. Die Nummernschilder dürfen jedoch offenbar - nach derzeitig erstem Referentenentwurf aus dem Verkehrsministerium - nicht über Fahrzeugklassen hinweg getauscht werden. Demnach ist nur ein Tausch von Auto zu Auto oder von Motorrad zu Motorrad möglich.
Was bringt das Wechselkennzeichen?
Neben der Geldersparnis für die "Zweit"- und "Drittwagen" beim Unterhalt verspricht sich die Regierung eine Steigerung des Autoabsatzes. So könnte auch die Einführung von schadstoffarmen Autos indirekt beschleunigt werden.
Steuerverluste durch nicht mehr angemeldete Zweitwagen sollen entfallen, da ja durch die Mehrverkäufe auch wieder Mehrwertsteuer an den Staat fließt. Laut ADAC würde auch die Umwelt profitieren, weil ein starker Anreiz bestehe, sich einen sparsamen Zweitwagen für Stadtfahrten zuzulegen.
"Bei steigenden Energiekosten und ausgedehnten Umweltzonen schafft das für mehrere Fahrzeuge nutzbare Kennzeichen einen deutlichen Anreiz, sich etwa einen sparsamen Kleinwagen für Stadtfahrten zuzulegen. Und davon profitiert auch wieder die Umwelt", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer.
In Österreich und der Schweiz hat man mit dem Wechselkennzeichen gute Erfahrungen gemacht. Alleine auf österreichischen Straßen sind über acht Prozent der Fahrzeuge mit einem solchen Wechselkennzeichen gekennzeichnet. Zudem wären festgelegte Zulassungszeiträume wie beim Saisonkennzeichen vorbei.
Eine ähnliche Entwicklung sagt auch Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen voraus. Er errechnet in einer aktuellen Studie (Juli 2010) einen Netto-Effekt von 1,3 Millionen zusätzlichen Wechselkennzeichen in Deutschland bis zum Jahr 2016. Demnach ergäbe sich eine zusätzliche Nachfrage nach Neuwagen von 80.000 bis 90.000 Pkw pro Jahr.
Vor allem Handel und Kfz-Handwerk würden von der Einführung profitieren. "Es kann vermutet werden, dass Wechselkennzeichen verstärkt für die Anschaffung kleinerer, stadtverkehrstauglicher Fahrzeuge genutzt würden", schreibt Diez. "Wechselkennzeichen könnten den Anreiz geben, als Zweit- oder Drittfahrzeug ein Fahrzeug mit Elektrotraktion anzuschaffen."
Was halten Sie vom Kfz-Wechselkennzeichen?
Mit Wechselkennzeichen können sich die Halter mehrerer Autos eine Menge Geld sparen.
Das Cabrio für Sonnentage, das E-Auto für den kurzen und emissionsfreien Weg zur Arbeit und die Familienlimousine für den Urlaub sind damit keine Utopie mehr. Anstatt drei Autos zu versichern und zu versteuern muss nur noch ein Modell angemeldet werden. Was halten Sie davon?
Diskutieren Sie mit auf der R+V24-Fanpage!











