Erdgastankstellen in Europa
Immer mehr Autofahrer entscheiden sich bei der Antriebsart ihres Fahrzeugs für den Erdgasbetrieb. Längst haben Hersteller reagiert und ihre Modellpaletten um Erdgasfahrzeuge erweitert. Kopfzerbrechen macht den Fahrern jedoch in vielen Ländern noch die oft schlechte Infrastruktur der Erdgastankstellen.
Weltweit werden nach Angaben der Gasversorgung Süddeutschland (GVS) rund zehn Millionen Autos und Nutzfahrzeuge mit Erdgas angetrieben. In Europa liegt Italien mit 523.000 Autos weit vorn, für die es 630 Tankstellen gibt. Dagegen ist die Infrastruktur in Deutschland schon besser: Für 75.000 Kunden stehen 820 öffentliche Tankstellen zur Verfügung. Bis 2010 sollen alle Autobahntankstellen ausgerüstet sein.
Nachfrage in Deutschland
Erdgas ist nicht nur in Deutschland zunehmend gefragt. Etliche europäische Staaten engagieren sich für die breitere Nutzung dieses Kraftstoffes. In Schweden, Finnland, Großbritannien, Holland, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Italien, Österreich, Polen und in der Tschechischen Republik wächst die Zahl der zugelassenen Erdgasautos und der Tankstellen dafür. Allerdings gibt es auch noch einzelne Länder wie beispielsweise Belgien, in denen nach wie vor nur Flüssiggas (Autogas) angeboten wird.
Erdgas: Service und Kundenfreundlichkeit
Große Unterschiede gibt es von Land zu Land in Sachen Service und Kundenfreundlichkeit: Während Benzin- und Dieselfahrer in den meisten Ländern rund um die Uhr anhalten, die Zapfpistole einführen, bezahlen und weiterfahren können, gestaltet sich mancherorts die Füllung eines Gasautos deutlich komplizierter, vor allem dort, wo diese umweltfreundliche Energie noch in einer Nische steckt. In einigen Ländern muss man sich Tankkarten besorgen und nicht überall kann man mit EC- oder Kreditkarten bezahlen. Längst nicht alle Tankstellen liegen verkehrsgünstig, etliche sind nur tagsüber geöffnet.
Doch zumindest in Deutschland und den Nachbarländern Schweiz und Österreich ist man gut versorgt und bedient.
Mit dem Navi zur Erdgas-Säule
Gute Informationen findet man auf www.gas24.de oder bei www.erdgasfahrzeuge.de. Über die einzelnen Länder kommt man zu Verzeichnissen der Erdgastankstellen und zu den Modalitäten der Bezahlung.
In Finnland benötigt man eine GASCARD, man erhält sie kostenlos über ein Formular aus dem Internet. Auch in den Niederlanden braucht man eine Tankkarte. Viele Länder bieten Tankstellenverzeichnisse mit GPS-Koordinaten für das Navigationssystem. Man speichert also die Stationen entlang der geplanten Route, ruft sie bei Bedarf ab und lässt sich dorthin lotsen.
Gut organisieren muss man seine Reise durch Frankreich, weil man auf die notwendige Tankkarte GNVert etwa zwei Wochen warten muss (Bestelltelefon 0033 149 147 980). Mit ihr kann man 23 Erdgastankstellen nutzen, einige wenige erlauben Barzahlung oder Kreditkarte. Oft ist ein Reduzierstutzen notwendig.
Ganz anders dagegen die kleine Schweiz, die das meiste Erdgas aus Deutschland bezieht oder aber selbst erzeugte Biogas nutzt.
Erdgas und Kfz-Steuer
Seit 1. Juli wird die Kraftfahrzeugsteuer (für Neuwagen) nicht mehr nur nach dem Hubraum sondern auch nach dem CO2-Ausstoß bemessen. Da Erdgasautos etwa 25 Prozent weniger CO2 im reinen Gasbetrieb erzeugen als ein Benziner, spart man Steuer. Denn für jedes Gramm dieses Gases, das über der Grenze 120 g pro km liegt, müssen zwei Euro bezahlt werden.
Neue Motoren als Chance
Ob Erdgas ein zukunftsfähiger Massenkraftstoff für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge wird, entscheidet sich in den nächsten zwei Jahren. So hat beispielsweise VW mit den modernen Modulen im Konzern gleich mehrere Fahrzeuge, die in Großserie als Erdgasautos angeboten werden können. Und der neue 1.4-Liter- TSI-Motor mit der (VW-eigenen) Bezeichnung EcoFuel ist das aktuellste Beispiel für ein modernes Gasauto. Aus 1.4 Litern Hubraum leistet er 110 kW (150 PS). Da er (handgeschaltet und im reinen Gasbetrieb) selbst im großen Passat nur 119 g CO2 pro Kilometer ausstößt, wird er steuerlich gefördert. Aber auch andere Hersteller arbeiten an kleinhubigen, erdgastauglichen Motoren.
Erdgas: Kein Feinstaub, weniger Stickoxide und Kohlenmonoxid
Anders als beim Diesel ist Feinstaub für Erdgasfahrer kein Thema, da bei der Verbrennung von Erdgas praktisch keine Feinstaubpartikel entstehen. Zudem ersparen Erdgasmotoren der Umwelt bis zu 75 Prozent des Ausstoßes von Kohlenmonoxid und 60 Prozent von Kohlenwasserstoffen im Vergleich zum Benziner. Experten berechnen den Beitrag zur Smogbildung mit 80 Prozent geringer als bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren, denn Erdgasautos emittieren rund 70 Prozent weniger Stickoxide als vergleichbare Diesel.
Erdgas und Autos
Immer mehr Hersteller erweitern ihre Fahrzeugpalette um Erdgasvarianten. Doch zumindest bei neuen Modellen muss man mit Wartezeiten rechnen.
Neufahrzeuge, die von externen Spezialfirmen um- oder nachgerüstet werden, sind meist etwa 2000 Euro teurer als das vergleichbare Serienmodell als Benziner. Es gibt Nachrüster mit und ohne Zertifizierung.
Im Internet findet man eine große Erdgasfahrzeug-Börse (www.gas24.de). Gute Gebrauchtfahrzeuge werden auch von den Kommunen angeboten - oft mit nur einem Jahr Laufzeit. Auch die oft zur Hälfte aus Gasautos bestehenden Fuhrparks der großen Gasversorger werden fast jährlich erneuert. Es lohnt sich also bei Bayerngas oder der Gasversorgung Süddeutschland, bei Hansegas oder EON nachzufragen.
Erdgas und Parken
Obwohl die Garagenverordnung (Länderrecht) erlaubt, dass Erdgasfahrzeuge in Tiefgaragen parken dürfen, findet man noch immer Anlagen, bei denen die Betreiber das Hausrecht ausüben und die Einfahrt für Gasautos verbieten. Die Erdgasversorger bemühen sich intensiv, aufklärend zu wirken.
Autofahrer, die solche Parkhäuser finden und abgewiesen werden, sollten sich beim örtlich zuständigen Gasversorger melden und auf Änderung drängen.





































